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Klarinettenakrobatik und fabelhaftes Orchester

Von Karla Langehein

Hameln. Im 2. Hamelner Konzert machte das Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen im Rahmen seiner zehn Konzerte umfassenden Herbsttournee auch bei uns Halt und stellte mit Werken amerikanischer Komponisten von Gershwin bis Bernstein das Ergebnis seiner Herbstarbeitsphase von.

veröffentlicht am 03.11.2010 um 16:04 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:21 Uhr

kultur
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Von Karla Langehein

Hameln. Im 2. Hamelner Konzert machte das Landesjugendorchester Nordrhein-Westfalen im Rahmen seiner zehn Konzerte umfassenden Herbsttournee auch bei uns Halt und stellte mit Werken amerikanischer Komponisten von Gershwin bis Bernstein das Ergebnis seiner Herbstarbeitsphase von.
 Bereits der ungewohnte Anblick von 95 Musikern im Alter von 14 bis 22 Jahren auf dem Podium des Hamelner Theaters wird den Konzertbesuchern im Gedächtnis haften bleiben. Aber mehr noch ihr Spiel. Es ist die gemeinsame völlige Hingabe an die Musik, Takt für Takt und Ton für Ton. Es ist die hochgespannte Aufmerksamkeit jedes einzelnen Musikers. Es ist das gemeinsame Streben nach verantwortlicher musikalischer Umsetzung der Partitur. Und es ist nicht zuletzt die bei Berufsorchestern in diesem Maß nur selten anzutreffende Spielfreude. Elemente, die alle zusammen schließlich zu solch außergewöhnlichem Konzerterlebnis führen.
 Das Orchester wurde von Thomas Wise ebenso bestimmt wie feinfühlig durch das Programm geleitet. Die sichere Umsetzung der vertrackten, teils zudem auch noch miteinander verschränkten Rhythmen in Gershwins „Cuban-“ und Bernsteins Candide-Overture“ sowie die perfekt erklingende Spannweite orchestraler Klangfarben, von sonorem Streicherklang in Barbers Essay Nr. 1 bis zu Grofés explodierendem „Cloudburst“ – das alles ist das Ergebnis einer hörbar besonders fruchtbaren und geglückten Orchestererziehung. Eine solide Basis für jene, die später mal ein Musikstudium anstreben – so wie Bettina Aust, ehemals Mitglied des Orchesters und nun die emphatisch gefeierte Solistin des Konzerts.
 Aaron Coplands Klarinettenkonzert, ein Auftragswerk von Benny Goodman, hat es in sich, und das nicht nur in der den Mittelsatz vertretenden Cadenza, sondern auch in den beiden Ecksätzen. Es lebt von Extremen in Tonhöhen, in Lautstärken, Tempo, Rhythmus und Tonfolgen ohne erkennbaren melodischen Zusammenhang. Klarinettenakrobatik. Bettina Aust spielte – oder sollte man sagen: turnte sie mit ausdrucksstarken Gesten derartig fesselnd vor, dass das Konzert gerne die doppelte Länge hätte haben dürfen. Der Saal tobte. Und dann setzte Bettina Aust noch eins drauf mit ihrer Zugabe, dem letzten der „Three Pieces for Clarinet“ aus dem Jahr 1918, Strawinskys wilden Jahren, einem der schwierigsten Stücke der Solo-Klarinetten-Literatur. Schlichtweg phantastisch gespielt!



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