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Depeche Mode: Musik für die Massen

Klänge aus dem Universum hinter dem Elektromond

Hannover. Die Arme weit ausgebreitet, Pirouetten mit Mikrofonständer – es sind die großen Gesten, mit denen Dave Gahan die 12 000 Gäste der TUI-Arena umarmen möchte. Gesten, die aber auch ihn selbst feiern. Die Genesung von der OP im Frühjahr, die überwundene Drogenkrise der 90er, das gewonnene Gerangel mit Martin Gore um Songschreiberanteile. Die Gahan-Kompositionen „Hole To Feed“ oder „Miles Away/The Truth Is“ wie auch die meisten anderen Kostproben der hyperbolisch „Sounds Of The Universe“ betitelten neuen CD sind dann doch recht irdisch geraten. Lediglich das rockende „Wrong“ reiht sich ein in die Hits. Und die werden besonders in der zweiten Hälfte des Konzerts bejubelt: „Policy Of Truth“ erinnert an die gitarrenfreie Phase früherer Zeiten, während Martin Gore „Never Let Me Down Again“ mit rockigen Riffs an der E-Gitarre beginnt. „Stripped“, „Behind The Wheel“ sowie das finale „Personal Jesus“ folgen. Und natürlich „Enjoy The Silence“, das Gahan auf dem Laufsteg zelebriert, als längst niemand mehr sitzt und 12 000 Arme auf sein Kommando geschwenkt werden.

veröffentlicht am 04.11.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 16:21 Uhr

Irres Licht: Frontmann Dave Gahan konkurriert mit der riesigen P

Autor:

Martin Jedicke
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Keine Frage: Depeche Mode bleiben neben U2, R.E.M. und den Pet Shop Boys eine der weniger 80er-Bands, die ihren Ruhm noch gesteigert haben. Wie viele Elektropopper natürlich von den Übervätern Kraftwerk beeinflusst, gelang ihnen zwischen Technogospel und Elektroblues eine eigene Ausdrucksform, die sich wiederum als stilprägend erwies.

Gore spielt am Dienstagabend vorwiegend Gitarre, ohne damit glänzen, dafür aber vorn auf der Bühne präsent sein zu können. Für drei ruhigere Songs übernimmt er den Gesang, von Peter Gordeno am Keyboard begleitet, überlässt sonst aber Gahan die Show. Andrew Fletcher tut das, was er immer tut: Er bleibt im Hintergrund, bedient seine Keyboards. Christian Eigner am Schlagzeug, dessen Bassdrum die Nasenflügel flattern lässt, komplettiert die Tourband, die sich vor einer riesigen Projektionswand und hinter der Präsenz des Frontmanns ein wenig verloren vorkommen muss.

Pathos und elektronische Kühle, knallharte Beats und mitunter kitschig-sentimentaler Gesang, düstere Texte und euphorisch himmelwärts strebende Töne – die Mischung macht’s. Klänge aus dem Universum, die ganz diesseitig gefeiert werden können. Musik für die Massen, die die dunkle Seite des Elektromonds beleuchtet.

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