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Das Theater für Niedersachsen erweckt „Laurel & Hardy“ zum Leben

Keine Scheu vorm Flachwitz

Hildesheim. Selten waren sich die hohe Schule der Komik und das billige Schenkelklopfen so nah wie bei ihnen. Stan und Ollie – das ist der Zeigefinger des Dünnen im Auge des Dicken. Das ist der „Feuerzeugdaumen“. So sieht man in dem Stück „Laurel & Hardy“ am Theater für Niedersachsen, wie Stan (Christoph Götz) auf einer Bananenschale ausrutscht und wie Olli (Jens Koch) sich ein rohes Ei auf dem Kopf zerdeppert. Ein Dialog geht schon mal so: „Haben Sie sich verschluckt?“ „Nein, ich bin noch da.“ Bei dem Thema darf man keine falsche Scheu vorm Flachwitz haben.

veröffentlicht am 30.01.2012 um 17:31 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 18:41 Uhr

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Autor:

Simon Benne
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Tom McGraths Stück von 1976 ist am TfN in deutschsprachiger Erstaufführung zu sehen. Rahmenhandlung: Stan und Ollie sind tot und stecken in einem Zwischenreich auf halbem Weg zum Himmel fest. Dort denken sie an ihr Leben und präsentieren noch einmal Sketche und Songs wie Cole Porters „Be a Clown“ oder „Honolulu Baby“ – wobei Koch als Ollie auch stimmlich mehr Volumen vorweisen kann. Das Ganze ist eine Mischung aus Nummernrevue und Filmgeschichtsstunde.

Anne Weilers Bühnenbild erinnert mit Grabstein, Goldschnörkeln und Regentonne gleichermaßen an Friedhof, Kinopalast und Vorstadtgarten. Die Hauptakteure – assistiert von Pianist Nils Gassmann – bauen die Bühne praktisch permanent um. Und ständig lässt Regisseur Jürgen Lorenzen sie in neue Rollen schlüpfen: Laurel verwandelt sich in Hardys Mutter, Hardy in Laurels Geliebte. Perücken und Röcke kommen ebenso zum Einsatz wie die Hochwasserhose und das zu enge Jackett.

Man könnte in der Geschichte der großen Komödianten von den Abgründen hinter der Slapstickfassade erzählen, von der Tragödie aller Clowns. Die Biografien von Laurel und Hardy böten genügend Stoff. Man könnte ihre Geschichte auch als Geschichte von verkannten Genies erzählen.

Lorenzens Inszenierung will aber vor allem komisch sein. Sie macht Witze über Witzemacher – und das ist eine Disziplin, in der man sehr gut sein muss, um zu punkten. Bei der fast ausverkauften Premiere zündet nicht jeder Gag. Am Ende ist nicht klar, worin die Größe der Kunst von Laurel und Hardy lag.

Dafür gelingt es Götz und Koch, den Originalen in Mimik und Gestik beeindruckend nahezukommen: Das Krawattenbefummeln, das entschlossene Kopfnicken, die aus Korpulenz geborene Autorität – Koch ist die Reinkarnation Hardys. Das verdutzte Kopfkratzen, das hagere Grinsen, das doppelte Hinschauen, um etwas zu begreifen – all das macht Götz zum Wiedergänger Laurels. Am Ende gibt es für die beiden langanhaltenden Applaus.

Die weiteren Termine: am 31. Januar, am 5. und 12. Februar in Hildesheim.



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