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Großer Schauspielabend im Theater: Gilla Cremer als Lale Andersen

Kein Wehrmachts-Wunschkonzert

Hameln. Wer eine Retro-Show mit beliebten Melodien der Lale Andersen im Stil des „Wunschkonzerts der Wehrmacht“ erwartet hatte, der war fehl am Platz. Was Gilla Cremer mit Gerd Bellmann am Flügel dem Hamelner Publikum im sehr gut gesuchten Theater am Freitag präsentierte, waren ein großartiger Schauspielabend und eine rundum exzellente Aufarbeitung eines kaum noch erinnerten, weithin unbekannten Kapitels der Geschichte populärer Musikkultur.

veröffentlicht am 08.05.2011 um 17:54 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 19:21 Uhr

Gilla Cremer als Lale Andersen.  Foto: Theater/Arno Declair

Autor:

Ernst August Wolf
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Im Mittelpunkt standen der erste deutsche Millionenhit „Lili Marleen“ und dessen Interpretin: Lale Andersen. Die hieß eigentlich Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg und wurde 1905 in Bremerhaven geboren. Sie heiratete mit 17, bekam drei Kinder, die sie, 24-jährig, verließ, um nach Berlin zu gehen.

In eindringlichen Szenen stellt Cremer den Lebensweg der Sängerin vor: Scheidung, Berliner und Züricher Zeit, ihre Liebe zum jüdischen Komponisten Rolf Liebermann, die Entstehung des Liedes „Lili Marleen“, die schleichende Verstrickung in den Nationalsozialismus, die Rettung vor dem KZ.

Es sei ihre „erschreckende Beziehungslosigkeit zum Geschehen der Zeit“ gewesen, so wird sich die Sängerin später zu ihrer Verantwortung bekennen. Andere, wie Lili-Marleen-Vertoner Norbert Schultze („Bomben auf Engeland“) ließen sich dagegen auch mithilfe des internationalen Erfolges von „Lili Marleen“ reinwaschen.

Es ist der Verlust der Unschuld – der der Sängerin und der des Liedes – den Cremer eindrucksvoll über die Rampe bringt. Da gewinnt das Balancieren auf einem Stapel alter Armeemäntel hohen symbolischen Wert. Es geht ebenso unter die Haut wie ein Gespräch zwischen Grethe Weiser, Marika Rökk und Lale Andersen. Doch deren Tanz mit dem Teufel in Person des Staatsrats in der Reichskulturkammer, SS-Brigadeführer Hans Hinkel, hat längst begonnen.

Am Ende bleiben Täter wie er unbehelligt. Die Künstler und ihre Musik aber haben ihre Unschuld – und die Andersen ihre große Liebe – eingebüßt. Wenn die Cremer in dieser Situation „Lili Marleen“ singt, dann ist’s Zeit für Gänsehaut und ein Tränchen.



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