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„Sind im Garten”: Acht ungewöhnliche Installationen als schöpferische Herausforderung

Junge Experimente im Georgengarten

Hannover. Christian Schaumburg würde sich gewiss verwundert die Augen reiben über das, was sich da in seinem von 1835 bis 1841 angelegten Georgengarten tut. Neun Künstlerinnen und Künstler haben dieses intellektuelle, gartenplanerische Konzept als eine schöpferische Herausforderung aufgegriffen und mit Installationen für den Landschafts- und Palais-Garten ihrerseits versucht, das Publikum zu einem „Gespräch” vor diesen ungewohnten Werken zu animieren.

veröffentlicht am 29.07.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 23:41 Uhr

Frank Bartz: Readymade Monolith

Autor:

Klaus Zimmer
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Spiel mit alten Stühlen

So ist Tom Otto geradezu vernarrt in sein Spiel mit den unzähligen alten Stühlen. Wie Menschen bilden sie eine lange, etwas chaotische Reihe, dann gibt es einen Stau, alles türmt sich zuhauf, um dann in schwindelnder Höhe einer Eiche zu hängen oder im Wind zu schaukeln. Wie wir Menschen? Jeder möchte an sein Ziel kommen. Nur Wenige schaffen den Weg nach oben. So jedenfalls könnte man das exzellente Werk auch interpretieren.

Frank Bartz hat einen Readymade Monolith (Erd-Wassertank) aufgestellt, mit einer komplizierten, außenwandigen Klanginstallation, die durch – oder mit – den Materialien zu Stereoeffekten gelangt, und beim Näherkommen zu Irritationen führt. Klaus Feige wiederum entwirft mit seinen Notbehausungen ein Modell für Menschen, die in öffentlichen Parks leben müssen.

Petra Kaltenmorgen installierte vorformulierte SMS-Textbausteine neuer Handys, mithilfe eines Hochdruckreinigers und Textschablonen, an die bemooste Wetterseite großer Baumstämme. Kerstin Vorwerk errichtete einen weißgestrichenen norddeutschen Hochsitz. Die Leiter zur Kanzel führt ins Leere. Das Waldmöbel, eigentlich zum Schießen gedacht, lässt Fragen aufkommen nach Frieden, nach Stille oder Krieg.

Mit der Arbeit „Es gibt kein Zurück”, konstruierten Kai Wetzel und Stephanie Link ein Original-Drehtor, dessen Sperrmechanismus das Prinzip der Unumkehrbarkeit von Zeit symbolisieren soll. M-F Otto hat das schlichte Geländer an der Treppe zum Keller des Museums mit Blattgold veredelt, um damit Unwesentliches wieder in den Blickpunkt zu rücken.

Die Keramikerin Sabine Schneider-Pungs formte sieben Urnen und betitelte sie mit den sieben Charakterzügen. Öffnet man den Deckel, erfährt man als Überraschung die jeweils diametral entgegengesetzte Eigenschaft. Einen Schildagarten hat Reinhard Stoppe entwickelt: Wissenswertes und Anekdotisches über die jeweilige Pflanze aber auch aufklärende Hinweise über Hintergründe von Stiftungen fragwürdiger Institutionen.

Bis 9. August (www.wilhelm-busch-museum.de).

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