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Das Theater bringt den Countrystar im musikalischen Bilderbogen auf die Bühne

Johnny Cash und sein Feuerkreis

Hameln. Dieses Leben ist so reich, so voller Höhen und Tiefen. Kein Wunder, dass James Edward Lyons in seinem musikalischen Porträt „Johnny Cash – The Man In Black“ Schwerpunkte setzen muss. Die entbehrungsreichen Kinder- und Jugendtage in einer Farmerfamilie mit einem Vater, der seinen Frust im Suff ertränkt, und einer Mutter, die Verständnis für die Musikleidenschaft des Sohnes hegt. Und der Tod von Johnnys Bruder Jack, wenn der Vater feststellt, der falsche Sohn sei gestorben. Dann skizzenhaft Fabrikjobs, Militärzeit in Deutschland, eine gescheiterte Ehe, der Aufstieg zum Countrystar, die Drogensucht, June Carters Ringen um die Genesung und der Heiratsantrag auf der Bühne.

veröffentlicht am 23.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 06:21 Uhr

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Autor:

Martin Jedicke
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Andeutungshaftes szenisches Spiel

So entsteht ein unterhaltsamer Bilderbogen aus über 40 Songs und einer Lebensgeschichte, die Nils-Holger Bock als Cash in auktorialer Rückbesinnung erzählt. Das hat mit Theater nur bedingt zu tun, zu andeutungshaft gerät das szenische Spiel. Meist müssen pointierte Figurenreden aus der Erinnerung oder ein selbstkritischer Gedankenstrom reichen. Dass es anders geht, zeigt die Schlüsselszene in den Sun Studios mit Sam Phillips Cash und seinen Tennessee Two. Hier spürt der Zuschauer etwas von der suggestiven Kraft und Inspiration Cashs.

Schwer hinzunehmen aber ist der Verzicht auf die legendären Gefängniskonzerte Cashs. Immerhin gegen den Willen seiner Plattenfirma. Auch sein lebenslanger Kampf für die Rechte der Indianer bleibt außen vor.

Die Stärken der Inszenierung: Zoltan Labas Bühnenbild mit zwei Eisenbahnwaggons, einerseits Metapher für Cashs Liebe zu Zügen, andererseits Elternhaus oder Aufnahmestudio. Dazu mit Michael Deak, Benny Glass, Wolfram Csupkay und Heiko Ahrend eine Band, die Spirituals so kompetent begleitet, wie sie den berühmten Chicka-Boom-Sound beherrscht.

In stilisierten Posen erstarrt

Aus einer vor allem gesanglich geschlossenen Ensembleleistung ragt Roland Heinrich (musikalische Leitung, Rodgers, Bremser, Prediger) hervor, Gudrun Schnitzer und Joel Kirby überzeugen als Eltern, Doreen Kutzke als Cashs erste Ehefrau Vivian. Cornelia Corba gibt June Carter als Bühnenwirbelwind, wirkt schauspielerisch aber hölzern. Natürlich drängt sich hier der problematische Vergleich mit US-Darling Reese Witherspoon aus dem Filmporträt auf. Bock – der mitunter in stilisierten Posen erstarrt – gerät seine Gesangsausbildung dann in die Quere, wenn Cashs sonore Stimme gar nicht mal so wohl klang, zum Sprechgesang mutierte, am Ende in ihrer Brüchigkeit gefangen nahm. Deshalb tönen die späten Lieder „Hurt“, „Rusty Cage“ und „The Beast In Me“ zu rund. Die Klassiker wie „Folsom Prison Blues“ oder „Cry Cry Cry“ und Duette wie „Jackson“ oder „Ring Of Fire“ gefallen und animieren die 460 Zuschauer zum Mitklatschen. Der auf die Bühne gezeichnete Kreis dient als Symbol für Cashs „Ring Of Fire“, in dem seine Dämonen wüten. Der Darstellung dieses Kampfes und einer musikalisch besonders nach der Pause überzeugenden Revue gilt der Schlussapplaus.

Erzählt in der Musik-Revue sein Leben in auktorialer Rückbesinnung: Johnny Cash (Nils-Holger Bock).

Foto: Theater



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