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Musik und Wort – mitreißend und kaum auszuhalten

Irisches Flair und kleine Rache

HAMELN. „Nein, hört nicht auf!“, schießt es durch den Kopf, als Michaela Jeretzky und Stefan Gliwitzki am Ende der Lieder Lord Franklin und Paddy‘s Green Shamrock Shore ankommen. Die beiden begeisterten beim Konzert „Musik und Wort“ in der Münsterkirche.

veröffentlicht am 29.06.2017 um 16:45 Uhr

Stefan Gliwitzki mit Michaela Jeretzky spielen bei „Musik und Wort“. Foto: bha
Birte Hansen

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Birte Hansen-Höche Reporterin zur Autorenseite
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Beide zusammen, jeder einzeln, reißen mit und einzeln – Gliwitzki mit Bouzouki und Gesang, Jeretzky mit Irischen Flöten und dieser Stimme. Eine Stimme, die Gänsehaut hinterlässt, extra starke im ehrwürdigen Münster, dessen akustisches Potenzial für diese Folk-Musik wie geschaffen scheint. Erster begeisterter Applaus in der Kirche, gleich nach dem musikalischen Start der zweiten Veranstaltung der Mittwochsreihe Musik und Wort.

„Nein, hört nicht auf“, ruft das Gehirn dann aber genauso, nachdem Cornelie von Blum und Ilka Voss den ersten Teil der (zusammengefassten) Novelle „Der Ball“ von Irene Nemirowsky gelesen hatten. Von Blum mit warmer Stimme meist als Madame Kampf, die grässliche Mutter der zarten 14-jährigen Antoinette, der Voss ihre Stimme leiht. Die Sympathien der Zuhörer können nur auf einer Seite liegen: der des Kindes. Die Mutter – plötzlich zu Reichtum gekommen, jetzt abgehoben –, die mit einem fulminanten Ball in der feinen Pariser Gesellschaft Eindruck schinden will, ist schwer auszuhalten. Musik.

Nicht aufhören – das schnellere „The Kesh“, ein irischer Jig, von Jeretzky gespielt, geht in die Füße. Der Wunsch nach Tanzen im Münster wird von einigen der etwa 100 Zuhörer mit wippenden Beinen im Zaum gehalten. Wort.

Im Sessel rutscht tiefer, wer sich fremdschämt für Madame Kempf und ihren noch einigermaßen normal erscheinenden Ehemann, die ihrer Tochter auftragen, 200 Einladungen zur Post zu bringen – von der eine einzige ankommt. Denn: Antoinette begehrt leise, aber gewaltig auf gegen ihre kalte Mutter und entsorgt, huch, 199 Einladungen in der Themse. Musik. Wort. Erleichterung ob des Ausgangs und der Blamage für Madame Kempf in leeren Räumen. Applaus, begeisterter für alle vier Mitwirkenden für einen tollen Abend.


5. Juli, 18.15 Uhr. Musik: Orgel vierhändig mit Adelheid Becker-Foss und Maria Potaschnikova. Wort: Christian Burger und Birgit Große.

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