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Interview mit Krimi-Autorin Nané Lénard: Mit der Bitte um viele Leichen

Weserbergland. Fünf neue Krimis haben die CW Niemeyer Buchverlage in ihrem Frühjahrsprogramm – darunter vier Weserbergland-Krimis und einen Krimi aus Husum. Krimi-Autorin Nané Lénard aus Bückeburg lässt Wolf Hetzer und Peter Kruse bereits zum dritten Mal ermitteln. Im Interview spricht sie über Alibis, LKA und Nachttischlektüren. Von Julia Marre

veröffentlicht am 30.03.2012 um 17:39 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 12:41 Uhr

Arbeitet bereits an ihrem vierten Weserbergland-Krimi: Nané Lénard
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Frau Lénard, was haben Sie eigentlich für ein Alibi für die Zeit von 20.15 bis 21.45 Uhr am vergangenen Sonntagabend?
Da hatte ich eine grausige Ermittlung mit Moritz Eisner und der Bibi in Wien und war also überhaupt nicht im Weserbergland. Ist denn hier etwas passiert, bei dem ich meine Finger im Spiel hatte?? Das könnte natürlich sein, denn ich schreibe bereits am nächsten Krimi.

Dann scheinen Sie ja kein „Tatort“-Fan zu sein. Verfolgen Sie denn Kriminalfälle, die sich tatsächlich ereignen, in den Medien besonders aufmerksam?
Selbstverständlich! Man kann nie wissen, welche Details mit realem Ursprung sich einmal für einen Krimi verwenden lassen.

Ihr dritter Weserbergland-Krimi „Schattengift“ ist in Kürze auch als Hörbuch erhältlich, von Ihnen selbst eingelesen. Was bereitet Ihnen mehr Spaß: Vorlesen oder Schreiben?
Das ist eine gute Frage. Ich rezitiere sehr gerne – sowohl im Studio, auch bei Lesungen. Es ist eigentlich eher so, dass die Handlung sprachlich inszeniert wird. Trotzdem möchte ich dem rein kreativen Prozess den ersten Rang zuerkennen. Das Entstehen einer Geschichte ist ein wunderbares Wachsen in einem selbst, das darauf zielt, die Ernte mit den Lesern zu teilen. Und dieses Teilen wird in den Büchern, den Lesungen oder Hörbüchern dann lebendig.

Wie sah die Produktion des Hörbuchs aus – gespickt mit etlichen akustischen Untermalungen ist es ja beinahe schon ein Hörspiel …
Ehrlich gesagt war dies eine sehr anstrengende Zeit. Es mussten 420 Minuten fehlerfrei sprachlich interpretiert werden. Glücklicherweise ist ein eigenes Tonstudio vorhanden. Der Musiker und Komponist Claudio di Facere hat sich diese Kapitel wieder und wieder anhören und aufbereiten müssen. Musik wurde von ihm dazu passend geschrieben, stimmige Geräusche wurden gesucht und eingebunden. Man kann sagen, dass das Hörbuch bis zur Fertigstellung etwa die sechsfache Zeit in Anspruch genommen hat. Es hat mir trotzdem sehr viel Spaß gemacht, die handelnden Personen durch meine Stimme zum „Leben“ zu erwecken. Meinen herzlichen Dank möchte ich sowohl Herrn di Facere für sein Engagement bei der Erstellung des Hörbuches als auch Verlagsleiter Carsten Holzendorff für die Unterstützung dieses Projektes sagen.

In ihrem neuen Roman suchen die Kommissare Wolf Hetzer und Peter Kruse zunächst eine angeschossene Frau und dann den Täter. Wie sind Sie auf diese Idee gekommen?
Vor rund einem Jahr hat es einen Fall gegeben, bei dem einer Frau in die Füße geschossen wurde. Dies ist jedoch bei „Schattengift“ in einen ganz anderen Zusammenhang gesetzt worden und verrät nichts über das eigentliche Verbrechen, das der Geschichte zugrunde liegt.

Gibt es ein besonderes Erlebnis bei Ihren Recherchen, das Sie noch lebhaft in Erinnerung haben?
Ja, noch heute schmunzele ich, weil ich mit meiner Idee zwei Rechtsmediziner ein bisschen an der Nase herumführen konnte. Der Leser wird erkennen, was ich meine, wenn er „Schattengift“ gelesen hat.

Sie arbeiten mit einem polizeilichen Fallanalytiker des LKA Niedersachsen zusammen. Welche Fragen konnte er Ihnen für Ihr neues Buch beantworten?
Er klärte für mich im Vorfeld diese Besonderheit mit der Rechtsmedizin ab und las „Schattengift“ parallel im Erstehungsprozess mit. Seine Randanmerkungen schätze ich besonders. Ich habe mehrmals laut gelacht. Er bat mich um viele Leichen im nächsten Krimi, damit er wieder mehr zu tun hat.

In Ihrem Roman wechseln Sie zwischen unterschiedlichen Perspektiven, erzählen also nicht nur aus Sicht der Ermittler. Was reizt Sie an diesem Perspektivwechsel?
Der Leser ist viel mehr im Geschehen, wenn er die Geschichte aus der Sicht mehrerer Personen verfolgen kann. Da werden die Beweggründe, Abgründe deutlicher, aber auch der Schmerz von Opfer und Täter oder das Mitwirken der Randfiguren.

Gefallen Ihnen persönlich Krimis aus Ermittler- oder aus Tätersicht besser?
Wenn sie gut geschrieben sind, ist das für mich nebensächlich.

Was macht für Sie eigentlich einen guten Krimi aus?
Ein guter Krimi muss mich im Innersten berühren und spannend fesseln. Es muss mir schwerfallen, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen. Wenn ich es nach der letzten Seite zuklappe, möchte ich mich fühlen, als ob ich in ein Loch falle, weil ich nicht weiß, ob das nächste Buch diesem das Wasser reichen kann. Da ist dann ein Hauch von Traurigkeit, wenn es zu Ende ist.

Und welches Buch liegt zurzeit auf Ihrem Nachttisch?
Dort liegt Recherchematerial – etwas Geschichtliches und etwas Psychologisches. Mehr darf aber nicht gesagt werden, denn das würde zu viel über das nächste Projekt „SchattenF...“ verraten. Dieser Krimi – der vierte Fall für Kommissar Wolf Hetzer und Peter Kruse – soll noch vor der Frankfurter Buchmesse erscheinen.



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