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Guns N‘ Roses gefallen in Madrid

In stabiler Seitenlage

MADRID. Guns N‘ Roses sind zurück. Mit Axl Rose und Slash. Sie sind, so scheint es, nicht mehr die Problemtypen, als die man sie in Erinnerung hat. Sie sind jetzt Entertainer. Und das ist großartig. Guns N‘ Roses spielen Donnerstag, 22. Juni, auf dem Messegelände in Hannover. Karten gibt’s im Dewezet-Ticketshop.

veröffentlicht am 07.06.2017 um 14:14 Uhr
aktualisiert am 07.06.2017 um 17:20 Uhr

Guns N Roses spielen am 30. Mai in San Mamés, Bilbao. Die Konzertreise, die sie am 13. Juni nach München und am 22. Juni nach Hannover führt, ist schon jetzt, mittendrin, ein gigantischer kommerzieller Erfolg. Foto: P.TOHIER/PHOTOMOBILE/2017

Autor:

Mathias Begalke
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MADRID. Wer hätte gedacht, dass der Sänger und der Gitarrist überhaupt wieder gemeinsam Konzerte geben? Nie im Leben, hieß es, werden sie sich versöhnen. Es spricht für den Humor der Band, dass sie ihre Comebacktour, bei der von der Originalbesetzung auch Bassist Duff McKagan mit dabei ist, selbstironisch „Not in This Lifetime“ nennt.

Der Sänger, inzwischen 55 Jahre alt, stratzt wie gewohnt über die Bühne im Stadion Vicente Calderón in Madrid, einem der ersten Stopps in Europa. Eine Stimme wie eine Alarmanlage. Doch dass Guns N‘ Roses wie ein Rudel junger, wilder Hunde wirkten, immer auf Katzenjagd, das ist lange her. Heute lassen sie es Konfetti regnen wie Coldplay, und sie spielen, Las-Vegas-reif und lässig, ihre Greatest Hits; neue Stücke haben sie ja auch nicht. Allein acht Songs sind von „Appetite for Destruction“, ihrem Debüt von 1987, das mit 30 Millionen Exemplaren zu den meistverkauften Alben aller Zeiten zählt.

Die Nostalgie-Magie wirkt. Viele im Publikum erinnern sich offenbar gern an die provokative Leck-mich-Haltung der Musiker, die sie damals von den Stones und den Sex Pistols kopiert hatten.

Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan. Foto: dpa
  • Depeche-Mode-Sänger Dave Gahan. Foto: dpa

Unter den 50 000 Zuschauern sind jede Menge junge Leute. Man könnte deshalb den Eindruck gewinnen, die Band sei der letzte Schrei. Auch die Sitzplatzkartenfans stehen vom ersten Song „It’s So Easy“ an. Das ist etwas Besonderes. Rose muss grinsen, wenn er in den Ozean aus schwarzen Shirts und Euphorie vor sich blickt.

„Sweet Child O‘ Mine“ singen er und sein Publikum gemeinsam. Der Titel richtete sich an seine Langzeitliebe Erin Everly, mit der er 1990 auch kurz verheiratet war. Es soll, so liest man, eine komplizierte Beziehung gewesen sein. Auch die Band siechte mehr oder weniger dahin, seit Slash sie Mitte der Neunzigerjahre verlassen hatte. Rose testete andere Gitarristen. Einer von ihnen, Buckethead, beeindruckte sogar wie sein alter Partner mit einer Kopfbedeckung: einem Eimer.

Doch es gibt nur einen Slash, und der trägt Zylinder. Nur ihm scheint es zu gelingen, den als labil und launisch geltenden Rose in eine stabile Seitenlage zu drehen. Rose veröffentlichte mit Guns N‘ Roses ohne Slash nur ein Album, „Chinese Democracy“. Dem Gitarristen gelangen ohne den Sänger mit verschiedenen Projekten dagegen sieben. Fast 70 Shows hat die wiedervereinte Band nun bereits gespielt. Die Konzertreise, die sie am 13. Juni nach München und am 22. Juni nach Hannover führt, ist schon jetzt, mittendrin, ein gigantischer kommerzieller Erfolg.

Information

Noch Karten für Depeche Mode

Der hannoversche Superstar-Sommer beginnt: Bereits am kommenden Sonntag, 11. Juni und Montag, 12. Juni, spielen Depeche Mode in der HDI-Arena. Restkarten sind noch erhältlich. Karten gibt’s unter anderem im Dewezet-Ticketshop in Hameln (Osterstraße 16, Telefon 05151/ 200888) Das Konzert von Coldplay, ebenfalls im Fußballstadion, am Freitag, 16. Juni, ist bereits ausverkauft.

Guns N‘ Roses wurden früher nicht von allen bewundert. Man konnte sie wegen ihrer Rowdy-Show, der Rockstar-Maskerade auch lächerlich finden. Dieses Image hallt bis heute nach, wie Rose erfahren musste, als er im vorigen Jahr für den kranken Brian Johnson bei AC/DC einsprang. Manche gaben deshalb ihre Konzertkarten zurück, obwohl AC/DC-Fan Rose doch der logische Ersatzmann war.

In „Coma“ singt er über eine Angst, gegen die nur Beruhigungsmittel helfen. Nicht nur in diesem beklemmenden Lied geht es um schwere Leere und das Gefühl, in der Falle zu sitzen, um die Sehnsucht nach einem Leben ohne Schwierigkeiten und einem Ort, „where the gras is green and the girls are pretty“, wie es in „Paradise City“ heißt.

Vielleicht kann Rose heute besser akzeptieren, dass es so einen Ort vollkommener Liebe und Leichtigkeit nicht gibt. Vielleicht konnte er sich dadurch retten, anders als zwei Weggefährten, die wie er Stimmen seiner Generation sind: Der Nirvana-Sänger Kurt Cobain erschoss sich 1994. Chris Cornell von Soundgarden nahm sich vor Kurzem das Leben. Mit 52. Guns N‘ Roses covern sein „Black Hole Sun“, während der Madrider Mond genau über dem Stadion steht.

Dann „November Rain“, die epische Trennungsballade. Rose am Piano. Er trägt jetzt einen roten Hut, als wolle er Elton John, seinem Idol, gefallen. Nichts halte ewig, singt er und meint damit auch die Liebe. Und den Kummer, denn selbst der fieseste, kalte Regen höre irgendwann auf. Das ist kitschig und wahr, gleichsam traurig und tröstlich.

Und am Ende? Natürlich Feuerwerk. Als sich der Rauch der Raketen verzogen hat, kehrt die Band noch einmal zurück, verbeugt sich, und Slash macht seinen typischen Handstand. Die wunderbare Zirkusvorstellung ist vorbei. Im richtigen Leben, außerhalb des Stadions, herrscht dagegen unser neuer, von Terrorgefahr geprägter Alltag. Schwer bewaffnete Polizisten sichern den Heimweg der Fans, während der Madrider Wind Reste von Konfetti herbeiweht.


Termin: Guns N‘ Roses spielen Donnerstag, 22. Juni, auf dem Messegelände in Hannover. Karten im Dewezet-Ticketshop in Hameln (Osterstraße 16, Telefon 05151/ 200888)



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