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Wie Autorin Ronja von Wurmb-Seibel ihre Zeit in Kabul erlebte

In einer anderen Welt

Hameln. Mehr lebhaften Vortrag als monotone Dichterlesung bot die Autorin Ronja von Wurmb-Seibel den zahlreichen Besuchern im Lalu im Hefehof: „Hauptsache, ich bin nicht die Einzige, die spricht“, richtete die Autorin gleich zu Beginn einen Wunsch an die Zuhörerschaft und forderte zudem dazu auf, die Lesung aus ihrem Buch „Ausgerechnet Kabul – 13 Geschichten vom Leben im Krieg“ ruhig aktiv durch Zwischenrufe und Einwürfe zu unterbrechen. Eine muntere Debatte sei erwünscht, so Ronja von Wurmb-Seibel.

veröffentlicht am 27.04.2016 um 17:43 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:18 Uhr

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Autor:

Ralph Arndt-Stricker
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Doch es wurde – mangels Disput – eine recht abwechslungsreiche Fragerunde daraus und die Autorin lieferte einen Einblick über ihren Aufenthalt in Kabul, wo sie mehrere Monate in einer Wohngemeinschaft beheimatet war: „Ich wollte dort Leute treffen und darüber Geschichten erzählen“, beschreibt die Autorin ihre Motivation, die kriegs- und krisengeschüttelte Stadt immer wieder zu besuchen und dann sogar für einige Zeit dort zu leben. Ferner liebe sie die Gastfreundschaft und das Wesen der dort lebenden Menschen. Aus der Heimat sei ihr während ihrer Zeit in Kabul am häufig-sten die Frage gestellt worden, wie es sei, als Frau in Afghanistan zu leben? Darum sei es ihr zwar gar nicht gegangen, erklärte die Autorin, sie habe in ihrem Buch aber letztlich doch immerhin eine Frauengeschichte erzählt. Denn sie wisse nicht wirklich, wie es ist, als Frau in Afghanistan zu leben, betont Ronja von Wurmb-Seibel mehr als einmal an diesem Abend.

Als Ausländerin seien ihr viele Dinge erlaubt, die einheimischen Frauen strikt verboten sind. Zudem wäre Kabul nur ein kleiner und immerhin halbwegs geregelter Bereich in Afghanistan. Das Leben auf dem Land sei dagegen ein komplett anderes. Aus den Berichten der Autorin wurde deutlich, dass sie sich den dort herrschenden Sitten und Gebräuchen während ihres Aufenthalts weitgehend angepasst hatte, Kopftuch trug und in der Öffentlichkeit beispielsweise auch nicht rauchte. Zudem fand Ronja von Wurmb-Seibel für viele Verhaltensweisen, die im Westen für sehr kontroverse TV-Debatten sorgen, durchaus pragmatische Erklärungen. So schütze eine Burka beispielsweise durchaus vor aufdringlichen Männerblicken und darunter könne durchaus eine moderne Frau in modischer Kleidung und mit lackierten Nägeln stecken. Im aufgeführten Beispiel war es eine Polizistin aus Kabul. Doch selten wurde es an diesem Abend so klischeehaft und die Interpretation der Autorin, dass einige Männer ihr den Händedruck verweigerten, weil sie diese Art der Begrüßung als zu intim einer Frau gegenüber empfanden, bot einmal eine komplett andere, als die im Abendland sonst übliche Betrachtungsweise. „Ausgerechnet Kabul – 13 Geschichten vom Leben im Krieg“, ist also eher kein politisches Buch. In den Kapiteln, aus denen die Autorin an diesem Abend vorlas, wird beschrieben, wie sich die Menschen, die Ronja von Wurmb-Seibels Weg kreuzten, in Kabul arrangieren. Wie sie mit Verlust und Krieg umgehen und welche Wünsche sie für die Zukunft haben. Die Autorin wertet nicht, zeigt aber viel Empathie für ihre Weggefährtinnen und -gefährten. Doch das Geschriebene lässt auch durchaus Spielraum für eigene Interpretationen und bietet sicher einen ersten Einblick in eine Gesellschaft, die den meisten von uns sehr fremd ist.



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