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Kunst mit Gruselfaktor: Das Sprengel Museum Hannover zeigt Elaine Sturtevants „The House of Horrors“

In der Geisterbahn

Hannover. Elaine Sturtevant wurde jetzt im Sprengel Museum mit dem Kurt-Schwitters-Preis der Niedersächsischen Sparkassenstiftung 2013 ausgezeichnet. Die 1930 in Lakewood/Ohio geborene Künstlerin versteht es immer wieder, die Besucher ihrer Ausstellungen in zwei gegensätzliche Lager zu verführen. Mit ihren Wiederholungen von Gemälden und Skulpturen bezieht sie sich stets auf faktische Gegebenheiten der jeweiligen Kunstszene. Aber so mancher Kunstinteressent zeigt sich bei dem Synonym „Kopie“ verwirrt.

veröffentlicht am 24.09.2013 um 15:25 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 02:21 Uhr

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Autor:

Klaus Zimmer
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Das Sprengel Museum bietet mit Sturtevants raumgreifender Installation „The House of Horrors“ nun ein ganz ungewöhnliches Erlebnis: Themen aus ihrem Werk ebenso wie Zitate aus den Massenmedien, aus der Geschichte des Films, der Comics, der Werbung. Außerdem: In den Zitaten waren außer eigenen Arbeiten auch künstlerische Werke Dritter präsent. Ein Zeitdokument, das autobiografische Züge transparent werden lässt. Der Betrachter trifft auf diese Werke, die im „Loop“, in dauerhafter Wiederholung, gezeigt werden.

Und dann muss der Museumsbesucher im Transportwagen Platz nehmen, durch dessen Bewegung die Tür und die Situation schlagartig wechseln. Vorbei an aufgescheuchten Fledermäusen, McCarthys „Painter“, die mit lautem Geschrei auf die eigene Hand einhackt, dann taucht Frankenstein auf oder der tote Kopf, Erinnerung an Damien Hirst. Aber wir wollen ja nicht alles ausplaudern – für Spannung wird garantiert.

Der zentrale Aspekt der Sturtevantschen Positionen ist die Rigidität, die sich Definitionsversuchen stets entzogen hat, indem sie die auf sie gerichteten Argumentationen umkehrte. Ein vergleichendes Darüber-Nachdenken könnte nicht verkehrt sein: Ist nicht auch das Sprechen immer ein Nachsprechen, mithilfe von unendlich oft gesagten Wörtern?

Was schrieb doch Horst Janssen zum Thema: „Kopie: „Und zwischendurch sage ich mir: das läuft da heutzutage alles so eilig nach vorwärts – da gehst du selbst am besten gleich wieder rückwärts“. Und schon Lichtenberg fragt in seinen berühmten Sudelbüchern: „Ist Genialität etwas anderes als Wiederfinden?“

Elaine Sturtevant benutzt verschiedene künstlerische Ausdrucksmittel wie Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Film, um ihre Kopien zu vollenden. Anfang 2010 fand ihre erste Ausstellung von „The House of Horrors“ in Paris statt, gemeinsam mit einem Werk von Gonzáles-Torres, Frank Stella, einigen „Duchamps“ und einem Gemälde von Joseph Beuys. Es waren (wie bei Janssen) jedoch noch keine Kopien, sondern Repliken, die die Künstlerin aus dem Gedächtnis erstellte und bei denen sie die gleichen Techniken einsetzte wie der Originalkünstler. Der Betrachter sollte sich fragen, was eigentlich, außer der Signatur, ein Kunstwerk ausmacht.

Elaine Sturtevants „The House of Horrors“ ist bis zum 2. Februar 2014 im Sprengel Museum in Hannover zu sehen. Weitere Bilder gibt es online auf dewezet.de



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