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Susanne Weinhöppel mit jiddischen Liedern zur Harfe in der jüdischen Kultusgemeinde Hameln

Immer schwingt der Schmerz der Vielen mit

Hameln. „So etwas hört man nur ganz selten“, erklärte Irina Pirogova von der jüdischen Kultusgemeinde den gut 20 Gästen, die gekommen waren, um mit der Münchnerin Susanne Weinhöppel eine der wohl profiliertesten Interpretinnen jiddischer Gesangskunst zu erleben.

veröffentlicht am 24.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:21 Uhr

Jiddische Gesangskunst mit Susanne Weinhöppel  Foto: Wolf

Autor:

Ernst August Wolf
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Schon als 12-Jährige zur Harfe gesungen

Weinhöppel, jüngste von drei Töchtern eines Münchners und einer deutschstämmigen Jüdin aus den USA, begann schon als 12-Jährige zur Harfe zu singen. „Zum Ärger meiner Eltern meist Bob Dylan-Songs oder kommunistische Lieder“, erzählt die Musikerin. Vor etwa 20 Jahren entdeckte sie dann das Jiddische. Derzeit tourt sie, auf Einladung vom Zentralrat der Juden, mit zwei Konzertprogrammen durch Deutschland.

Jedem Lied stellt Susanne Weinhöppel eine kurze Einführung voran, umreißt im ersten Teil ihres Konzertes das breite Spektrum jüdischer Lebensweisheiten, vom Vater-Sohn Dialog in „mottele“, den scheuen Liebenden in „in majn gortn“ oder der Schilderung einer typisch jüdischen „Mamme“, die keinen Widerspruch duldet, in „oifn weg“.

Weinhöppel schlägt mal sanfte, zärtliche Töne an, um gleich darauf völlig unvermittelt voller Expressivität zu explodieren. Aber ob nun träumerisch wehmutsvoll oder mit schreiender Anklage, stets liegt ihrer Interpretation jene unvergleichliche latente Traurigkeit zugrunde, die jiddische Musik so einzigartig macht. So im zweiten Teil in „in jiddischn wort“ des 1952 unter Stalin ermordeten Komponisten David Hofstein, in Klassikern wie „sog nit kejnmol“ oder „di grinike kusine“. Immer schwingt „der Schmerz der Vielen“ in dieser Musik mit, gleich ob beim Evergreen „baj mir bistu schejn“, beim humorvollen „achzig er un sibezig sie“ oder beim abschließenden „sol sajn“.

Engelgleiches Harfenspiel

Susanne Weinhöppel gelingt es an diesem Spätnachmittag mit eine Kombination aus bitter-süßen, chansonhaft vorgetragenen jiddischen Texten und einem vielschichtigen, engelsgleichen Harfenspiel eine Formen- und Ideenwelt wieder hervor zu zaubern, deren Lebenskraft auch nach den Katastrophen des letzten Jahrhunderts ungebrochen scheint.



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