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Christoph Maria Herbst im Interview

„Ich hätte ein Problem, wenn alle einschliefen“

Hameln (are). Wenn man über seine Lesetouren ein Buch schreiben würde, hieße es wohl „Deutschland – ein Autobahnmärchen“, denn Christoph Maria Herbst fährt die Stationen seiner Lesungen allein mit dem Wagen ab. Am Samstag, 28. März, steuert er Hameln an und liest um 20 Uhr im Theater aus Tommy Jauds Bestseller „Millionär“. Im Interview spricht der Theaterschauspieler und als „Stromberg“ bekannt gewordene fiese Chef über die schönste Nebensache der Welt: das Lesen.

veröffentlicht am 10.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 10:21 Uhr

Christoph Maria Herbst: „Ich denke, wenn ich Millionär wär
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Herr Herbst, für die Statistiker unter uns: Wie oft verlesen Sie sich an einem Abend?

Das klingt wahnsinnig kokett, wenn ich sage: Überhaupt nicht. Aber es ist leider so. Ich habe mich in den 30 Tagen der „Vollidiot“-Tour nicht einmal verlesen. Wenn ich merke, ich drohe mich zu verlesen, baue ich das einfach in den Text mit ein, dass der Zuhörer glaubt, es müsse so sein. Bestimmte Passagen kann ich ab Tag drei auswendig, aber auch da gucke ich nicht ins Publikum, sondern klebe an dem Text.

Wenn Sie den Text auswendig kennen: Ist es da nicht gefährlich, in Routine zu verfallen?

Das ist das Wichtigste bei der kompletten Lesetour: Dass ich das Publikum jeden Abend aufs Neue ernstnehmen muss. Auch am 28. Tag hat das Publikum dasselbe Recht wie am zweiten, einen ausgeschlafenen, aufgeweckten, aufgeräumten, jungfräulich frischen Vorleser zu erleben. Alles andere wäre unprofessionell. Dieser Herausforderung stelle ich mich total gerne. Jeder Abend in jeder Stadt ist einzigartig; jeder Abend hat seinen ganz eigenen Charme.

Worin liegt für Sie der Zauber in der unmittelbaren Situation des Vorlesens?

Ich komme ursprünglich vom Theater. Es gibt nichts Pureres und nichts Archaischeres als eine einzelne Person, auf einem Stuhl sitzend, mit einem Text. Archaisch deswegen, weil wir das aus unserer hoffentlich glücklichen Kindheit kennen, dass Vater und Mutter am Kinderbett sitzen und uns vorlesen. Insofern hat es für mich einen ganz großen Zauber, weil Hunderte Menschen aus den unterschiedlichsten Sozialschichten und Altersgruppen an meinen Lippen hängen ... Gut, wenn die alle einschlafen würden, hätte ich ein Problem.

Was verbindet Sie mit dem Schriftsteller Tommy Jaud?

Mit Tommy Jaud verbindet mich eine ganz ähnliche Humorfarbe. Wir kennen uns seit sieben oder acht Jahren; er war damals in den ersten „Ladykracher“-Staffeln mit Anke Engelke Chefautor und Creative Producer. Schon da gefielen mir seine Texte unfassbar gut. Man merkt an seinen Romanen, dass er aus der wörtlichen Rede kommt. Der schreibt wirklich so, wie der Mensch spricht. Und das macht es mir als Schauspieler, der ich versuche, in solche Figuren auch ein Leben hineinzubringen, besonders leicht und auch viel Spaß.

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