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"Ich habe tatsächlich nichts davon vergessen"

Von Britta Gürke

Eines stellt Keith Richards gleich zu Beginn seiner Memoiren klar, direkt vorne im Buchumschlag: „Das ist mein Leben. Glaubt es oder nicht, aber ich habe tatsächlich nichts davon vergessen.“ Sicher ist sicher, hat sich der 66 Jahre alte Gitarrist der Rolling Stones vielleicht gedacht. Denn schon wenige Seiten später beginnt der für seinen exzessiven Drogenkonsum bekannte Musiker, seinen Zustand während so mancher Tour zu beschreiben. Drogen spielten dabei immer eine Rolle. Drogen und Musik. Nur bei den Frauengeschichten bedient Richards nicht das sprichwörtliche Klischee von „Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll“.

veröffentlicht am 27.10.2010 um 15:22 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 11:41 Uhr

Kultur
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Von Britta Gürke

Eines stellt Keith Richards gleich zu Beginn seiner Memoiren klar, direkt vorne im Buchumschlag: „Das ist mein Leben. Glaubt es oder nicht, aber ich habe tatsächlich nichts davon vergessen.“ Sicher ist sicher, hat sich der 66 Jahre alte Gitarrist der Rolling Stones vielleicht gedacht. Denn schon wenige Seiten später beginnt der für seinen exzessiven Drogenkonsum bekannte Musiker, seinen Zustand während so mancher Tour zu beschreiben. Drogen spielten dabei immer eine Rolle. Drogen und Musik. Nur bei den Frauengeschichten bedient Richards nicht das sprichwörtliche Klischee von „Sex and Drugs and Rock ’n’ Roll“.
 Was die Musik angeht, ist das meiste über Richards wohl schon geschrieben. Sein Buch nun gibt auch viel aus dem Privatleben preis. Jetzt kam es zeitgleich in mehreren Ländern heraus. Das deutsche Hörbuch dazu spricht Stephan Remmler, der ehemalige Sänger der Band Trio.
 Mit reichlich Selbstironie erzählt Richards, wie er als Junge in England die Platten von Muddy Waters und Chuck Berry hörte. Wie es war, als er seinen Schulfreund Mick Jagger mit Anfang Zwanzig auf einem Bahnhof wiedertraf und sie beschlossen, zusammen Musik zu machen. Der Durchbruch, die Entstehung von Songs wie „Jumpin’ Jack Flash“ oder „Honky Tonk Women“ (1969) – Richards findet seine eigenen, oft ziemlich deutlichen Worte und räumt mit so mancher Legende auf.
 Oft beschäftigt er sich mit den Drogen, seinem Kampf dagegen, und wie sie sein Leben bestimmten. Mick Jaggers Ex-Frau Jerry Hall warf ihm vor einigen Wochen in einem Interview vor, Rauschgift zu verherrlichen. Doch im Buch versucht er auch zu erklären, wie es zu seiner Sucht kam.
 „Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wann ich das erste Mal Heroin nahm“, schreibt er. Als die gesundheitlichen Beschwerden anfingen, habe er sich immer noch gesagt: „Keine große Sache, ich verstehe nicht, was die Leute haben. Das sollen Entzugserscheinungen sein?“ Irgendwann sei ihm dann aber klar geworden, dass er nicht mehr ohne konnte. In den Siebzigern sei das noch alles anders gewesen, versucht er zu erklären. Viele Drogen gab es legal. Doch er war über Jahrzehnte hin süchtig. Erst vor wenigen Jahren kam die Einsicht. Nach einem Unfall hörte er auf.
 Weitaus weniger wild als etwa bei Mick Jagger ging es in Richards’ Liebesleben zu – sofern man ihm glauben will. Vor allem zwei Frauen bestimmen sein Leben. Anita Pallenberg, die ihn in jungen Jahren begleitete. Und seine Ehefrau Patti Hanson, mit der er seit beinahe 30 Jahren verheiratet ist. Viel Raum nehmen im Buch auch seine Eltern ein.
 Was er sich über die Jahre selber angetan hat, erkennt man im Buch auch an den Fotos. Wirkt er mit Anfang 20 noch jung und frisch, hat er schon mit 30 das Äußere eines weitaus älteren Mannes. Heute sehe er aus, als hätten ihn die Chemikalien, die er über die Jahre in sich pumpte, regelrecht konserviert, schrieb eine Zeitungskolumnistin.
 Doch da steht Richards drüber: „Ich kann mich auf meinen Lorbeeren ausruhen“, schreibt er. „Ich habe in meiner Zeit genug Scheiße aufgewirbelt, ich werde jetzt damit leben und mir anschauen, wie die anderen damit klarkommen.“ Mit einer Einschränkung allerdings: „Aber dieses Wort: „Ruhestand“. Ich kann mich erst zur Ruhe setzen, wenn ich den Löffel abgebe.“
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 4 Keith Richards: Life. Aus dem Englischen von Willi Winkler, Wolfgang Müller und Ulrich Thiele, Heyne Verlag, München, 736 Seiten, 26,99 Euro, ISBN: 978-3-53-16303



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