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„Spieglein, Spieglein “-Variationen mit Traute Römisch und Andy Mokrus im TAB

„Ich bin, was ich bin“

Hameln. „Ich bin, was ich bin“ als Fazit – und die Römisch allemal was sie ist: die Römisch. „La Römisch“, gewissermaßen. Kein Zentimeter im Hamelner TAB, den sie noch nicht bespielt hätte. Jetzt wieder mit „Spieglein, Spieglein …“ – ein Thema, das Männer längst den Frauen süffisant zur Alleinvermarktung überlassen haben. „Quatsch“, sagt die heimische Diseuse und Allrounderin und verweist auf den selbstverliebten Narziss, auch wenn man den nicht zwingend als Mann zitieren müsste. Aber allemal ein sehr persönliches Thema, mit dem die Römisch – und Andy Mokrus am Klavier genauso – virtuos spielen.

veröffentlicht am 10.02.2015 um 14:54 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 13:46 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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„Wer immer Du auch bist“, beim morgendlichen Blick in den Spiegel: „Du wirst jetzt erst mal rasiert“ – das gilt als männlich. „Bin ich mit dir verwandt?“, fragt die Frau – und sportlich gesehen stünde es jetzt 1:1. Im TAB steht es am „Blauen Montag: Querbeet“ mindestens 1:0 für die Römisch, die schon mal fragt, wie oft sich das verehrte Publikum so im Laufe eines Tages selbst bespiegelt. Dr. med. Eckart von Hirschhausen ist überzeugt – im Gegensatz zum ewig Weiblichen – dass sich Männer nicht mit „Selbstkritik zerfleischen“. Und behauptet, kein Mann werde sich ins Profil drehen, um zwangsläufig am Bauchansatz – vulgo Wampe – zu verzweifeln. Frauen sind da masochistischer. Ein Thema, wie für die Römisch geschaffen, die so herrlich mit Sprache und den fast schon erotischen Päuschen spielen und jonglieren kann. Die immer überrascht ist, auch wenn man weiß, dass sie längst weiß, was sie so überrascht. Auch das, immer wieder, überraschend. Und hinreißend, wenn sie einfach nur konzentriert zuhört.

Die „O du lieber Augustin“-Variationen als Wiener Schmäh und die hübsche Geschichte eines Kerls vor dreiteiligem Spiegel in Deutschlands schönster Stadt – in diesem Fall Hamburg –, der Holz, Stoff und Zimmerpalme für eine Frau hält, für die er auf imaginärem Misthaufen sein Gracioso kratzt. Mokrus, sonst am Klavier, zupft dazu im Klavier die Saiten. Und schließlich: Was kann der Sigismund aus der Rößl-Operette schon dafür, dass er so schön ist – toll interpretiert – und eine andere Schönheit gewürdigt: 640 fucking tausend als Bonus, vom Jogging-Feind mit 900 fucking 70 fucking tausend getoppt.

Nach so viel maskulinem Getöns kriegen auch die Mädels ihr Fett weg – und sei es auch nur abgesaugt: Face-Lifting, Lippen- und Nasenkorrektur, straffer Po samt Oberschenkel, dazu Intimchirurgie, Botox gegen die Zornesfalte – nichts, was sich nicht korrigieren ließe und „mit fest installiertem Gesicht immer mehr in die Schönheit abgerutscht“. Und auf Platt gemildert: „Das is nich din Ernst“ für „echt Scheiße“. Und das alles auf quasi leerer Bühne vor schwarzem Hänger, links sichtbar die Züge, rechts die nackte Mauer und oben der Schnürboden mit Scheinwerfern.

Wie’s weitergeht: mit „Partnertausch im Rentenalter“ oder „Wer holt die Sterne vom Himmel“ – auch „Stimmbruch“ als Vorschlag, „Sugar Baby“ und „Der ideale Lebenszweck“, „Gänsehaut“ oder schlicht Pech. Am Schluss sind es Pech und Glück als Gegenpol, die am lautesten akklamiert werden. Kurzes Finale mit „O wär ich der Kästner Erich …“ von Heinz Erhardt und als Fazit: „Ich bin, was ich bin.“

Kein Zentimeter im Hamelner TAB, den sie noch nicht bespielt hätten: Andy Mokrus am Klavier und „die Römisch“.eaw

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