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Jochen Malmsheimers aberwitzige Sprachstilblüten

„Hosige Lustigkeit“

Hameln. „Flieg Fisch, lies und gesunde! oder: Glück, wo ist dein Stachel?!“, „Ermpftschnuggn trødå! – hinterm Staunen kauert die Frappanz“ oder „Wenn Worte reden könnten oder: 14 Tage im Leben einer Stunde“. Zumindest wenn es nach den Titeln seiner Programme geht, kann Jochen Malmsheimer in puncto Originalität und Obskurität niemand das Wasser reichen. „Ich denke mir immer erst einen Titel aus – und dann muss ich sehen, wie ich diesen mit Inhalt fülle“, erklärte der 54-jährige Bochumer bei seinem Auftritt in der Sumpfblume – die übrigens bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Jochen Malmsheimer scheint eine geringere TV-Präsenz als früher nicht zu schaden.

veröffentlicht am 14.02.2016 um 21:26 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:29 Uhr

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Autor:

Cord Wilhelm Kiel
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Malmsheimer muss man live erleben; auch wenn er seit vielen Jahren immer mal wieder auf der Mattscheibe zu sehen ist und zum Ensemble von „Neues aus der Anstalt“ (ZDF) gehörte – auf der Bühne ist er am besten. Sein Wortwitz und seine aberwitzigen Sprachstilblüten sind in der deutschen Kabarett- und Kleinkunstszene einzigartig. Allein diese kauzig-intellektuelle Originalität ist Erklärung genug dafür, warum er nach wie vor so „angesagt“ ist. „Ich bin kein Tag für eine Nacht oder ein Abend in Holz“ hieß das Motto seines Auftritts in Hameln. Schon seit 2003 tritt er immer mal wieder unter diesem Titel auf. Das Besondere bei Malmsheimer ist, dass er auf seinen Tourneen mehrere Programme gleichzeitig spielt, die einige feste, aber auch stets aktualisierte Beiträge aufweisen. Beim „Abend im Holz“ geht es ums Sprechen, denn „viele Menschen sprechen ja sogar immer häufiger mit Anlass.“ Der gelernte Buchhändler mit abgebrochenem Germanistikstudium überprüft, „ob im spärlich möblierten Schädel eines jungen Mannes unter’m Joch der Pubertät etwas passiert und was das alles mit Mädchen und Sprechen zu tun hat.“

Politik spielt an diesem Abend gar keine Rolle – aber auch in rasantem Tempo vorgetragene Bonmots über Kneipenphilosophie, Kochsendungen („Kochen mit Jochen“), Karneval („Humoristen, die zur Ausübung ihrer Fröhlichkeit Uniformen tragen müssen“) oder den Auftrittsort („die Umgebung hat sich seit dem letzten Mal nicht zum Besseren verändert“) sorgen für Dauerlachen. Eine „Gesäßgroteske“ während eines Fluges – dort passierte Malmsheimer „eine Art rektaler Ausgelassenheit, eine hosige Lustigkeit“, die seinen „Drang auf die keramische Abteilung übergroß werden ließ“ – sorgt dafür, dass jede Sekunde Unaufmerksamkeit bestraft wird. „Immer schön zuhören, was der Onkel macht“, raunzt er, denn: „Sie müssen nicht immer gleich klatschen, wenn Sie irgendwas verstanden haben.“ Verstanden hatten die Zuschauer demnach viel, denn die Beifallsstürme wollten gar nicht enden. Als Zugabe gab es daher „Onkel Jochens“ Philosophie über Sport, bei dem „körperliche Verletzung des Ausübenden und geschmackliche sowie intellektuelle Verletzung des Betrachters“ häufig vorkommen.

Termin: Am Donnerstag, 3. März, gastiert Jochen Malmsheimer um 20 Uhr in der Aula des Ratsgymnasiums in Stadthagen. Dort spielt er das Programm: „Ermpftschnuggn trødå! – hinterm Staunen kauert die Frappanz“.



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