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Addams-Musical begeistert Hameln

Horror-Family in Höchstform

HAMELN. Mit Andrew Lippas Grusicalkomödie „Die Addams Familiy“ sorgte das Theater für Niedersachsen (TfN) für Begeisterung beim Publikum im Hamelner Theater. Das Ensemble spielte und sang mit Herzblut.

veröffentlicht am 18.11.2018 um 17:51 Uhr
aktualisiert am 18.11.2018 um 22:30 Uhr

Die untote Morticia und ihr heißblütiger Gatte Gomez sorgen sich um das Liebesglück von Tochter Wednesday. Foto: t.behind photographics/pr
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Autor

Richard Peter Reporter
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Da war es also – eiskalt aus der Vorhang-Spalte geschoben, das kultige Händchen samt Geräusche-Arie. Und kaum, dass der „Lappen“ sich zur Seite krümelte: Schnipp-Orgie zum Familien-Jubiläum auf dem Friedhof. „Die Addams Family“ in ihrem Element. Was als bitterböse Comic-Satire von Charles Addams in der Nachkriegszeit in „The New Yorker“ für Diskussionen sorgte, aber als Gespensterfamilie noch namenlos war, sollte der Gesellschaft den Spiegel vorhalten. Wie einst unser Eulenspiegel als eine Art Horror-Picture-Show – nur böser. In der Fernsehserie der 1960er Jahre wurde aus dem Schreckenskabinett eines zum Lachen. Wo ein Marquis de Sade als Gute-Nacht-Geschichten für kleine Mädchen vorgelesen wird, ist plötzlich alles möglich. Auch Verfilmungen und jetzt: Die Addams als Musical mit dem TfN auf der Hamelner Bühne.

Schade, dass unsere Sprache zum Superlativ keine Steigerung kennt. Es war einfach hinreißend, egal was sie auf der Bühne auch treiben – vor allem schamlos übertreiben: Sie können’s. Jeder als toller Schauspieler, Sänger, Tänzer – dazu eine Regisseurin, April Hailer, die das alles so skurril, schräg und faszinierend umsetzt, fetzig. Und die immer wieder grandiose Bilder schafft. Da stimmt einfach alles: die Tempi, die sich überschlagen, aber auch auf Flaute setzen, sich Zeit lassen, wenn Butler Lurch durch die Szene schlurcht, ein bisschen Frankenstein mit Gekrächze und sonorem Bass.

Jens Krause als Onkel Fester, der alles kann. Sprechen, dass jedes Wort verständlich im Publikum landet, herrlich singen und tanzen – auch ganz ballettös – und zuletzt zur so fernen geliebten Luna entschwebt. Ganz groß die Family: Alexander Prosek als Papa Addams – ein stolzer Spanier, der das Florett beherrscht, den Torero in den Beinen hat, Flamenco inklusive. Stimmgewaltiger Herrscher über die Ausnahme-Family und manchmal so klein, wie nur Männer es sein können. Kein Wunder bei einer Morticia, vor allem wenn eine Marysol Ximénez-Carillo auf der Bühne steht und schlicht Grandezza ausstrahlt – und wie alle anderen auch: alles kann. Und das perfekt und lustvoll spielt wie Johannes Osenberg als Pugsley, der sich ganz gern mal foltern lässt, oder Sandra Pangl als Töchterchen Wednesday, die aus der Addams-Rolle kippt und sich in den lieben Lucas (Nicolo Soller) verknallt, der schon als Händchen brillierte.

Auch die Kostüme, das Bühnenbild und die Choreographie überzeugten. Foto: t.behind photographics/pr
  • Auch die Kostüme, das Bühnenbild und die Choreographie überzeugten. Foto: t.behind photographics/pr

Um die beiden geht es – und die ganz stinknormale Verliebtheit zweier Teenager. Natürlich auch Lucas’ Eltern, Gerald Michel als Mal, der sich rückentwickelt und als Häuschen-Abzahler wieder Stirnband trägt. Vor allem auch Elisabeth Köstner als Alice mit ihrem furiosen Auftritt beim Wahrheitsspiel. Natürlich die Ahnen, die in fantasievollen Kostümen von Esther Bätschmann stecken, die auch für die vielen Schauplätze und die nahtlosen Übergänge zuständig ist. Annika Dickel als Choreografin ist so etwas wie der Herzschlag der Show, zu dem April Hailer den Takt vorgibt wie Andreas Unsicker für seine Band, die alles spielt, was das letzte Jahrhundert auf Platten bannte.

Was diese Truppe auszeichnet neben Temperament und kübelweise Herzblut: Sie spielt gnadenlos aus, was sie spielt. Das Skurrile skurril, das Hoheitsvolle hoheitsvollst und alles, egal was, mit vollem Einsatz und Können, Können, Können. Zum Dank: Das Publikum klatscht im Stehen im endlich wieder einmal ausverkauften Theater.



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