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Der Springer Künstler Jobst Tilmann zeigt sein Werk „Ulyssee“ in Hannovers Städtischer Galerie Kubus aus

Homers Held schaute dem Maler über die Schulter

Hannover. Jobst Tilmann hat für sich den verdrängten, fast schon vergessenen Mythos des klassischen Griechenlands entdeckt, und wurde damit als Maler-Historiker – frei nach Schelling – zu einem „rückwärtsgekehrten Propheten“, denn in seinen neuen Werkserien unter dem Titel „Ulysse“ (gemeint ist Odysseus), setzt sich der Künstler auseinander mit dem listenreichen König von Ithaka, einer der führenden Gestalten der „Ilias“ und Hauptfiguren der „Odyssee“, dem Homer zugeschriebenen Epos.

veröffentlicht am 07.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 08:21 Uhr

Jobst Tilmann: ohne Titel, Acryl.

Autor:

Klaus Zimmer
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Mit philosophischen Zitaten gearbeitet

Jobst Tilmann aus Springe ist dafür bekannt, dass er ein Faible hat, mit literarischen und philosophischen Zitaten und Querverweisen zu operieren, um dem Betrachter einen leichteren Zugang zum abstrakten Charakter seiner Werkschau zu eröffnen, denn letztlich gibt es beim Malen keine „Zensur“. Bildkunst hebt dieses einspurige zeitliche Nebeneinander auf.

Die malerische Strategie konzentriert sich wie in einem Brennspiegel. Man erinnert sich an sein kleines Künstlerbuch „Horizon Vertical“, in dem wir ein auf das Zitat von René Descartes stoßen: „Zerlege ein Problem in so viele Bestandteile, bis es verständlich wird.“ Im Sinne dieser Empfehlung verdeutlicht sich Tilmanns Malerei, in der er, fast fantasielos, das Systematische und Subjektive meisterhaft zusammen führt.

Zufall als Vater der Komposition

Und obwohl auf diesen Leinwänden – Großformate und kleine Serien – stets der Zufall zum Vater der Komposition wird, gelingt es Tilmann mit einem grauen Grundton farbige Formen freizustellen in einer Regie, die vor allem durch ein starkes Unterbewusstsein geprägt ist. Da entstehen Inseln in einem grauen Ozean, die nicht erfunden wurden, sondern gefunden, die in ihrer farbigen Zurückhaltung oder dann wieder einem leuchtenden Kolorit, an ein weiteres Zitat von Henry Miller erinnern, in dem es nicht mehr um Wahrheit und Klarheit geht, wie bei Descartes, sondern um Magie und Verführung. Ein Philosoph also und dann ein Erzähler – und vor allem Homers Held, der listenreiche König von Ithaka, haben dem Maler über die Schulter geschaut.

Die Ausstellung ist zu sehen bis 19. April, Kubus, Theodor-Lessing-Platz 2, dienstags bis freitags von 11 bis 18, samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 16 Uhr.



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