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Neue Ausstellung in der „arche“: Vier Hannoveraner Künstler gaukeln am Haspelmathsturm was vor

Hokuspokus quadrinokus

Hameln. „Hoc est corpus meum“ - die Murmel-Formel bei der „Wandlung“ einer katholischen Messe, wenn die Hostie in den Leib Christi tranformiert wird. Und nichts als ein gigantisches verbales Missverständnis und volkstümlich als Hokuspokus wahrgenommen. Damit beginnt ein weltbewegendes Schlamassel, denn in der biblischen Ursprache, dem Aramäischen, gibt es keine Hilfszeitwörter. Erst die Römer haben mit ihrer Vulgata das „est“ eingefügt. Also nicht: „Dies mein Leib“. Dediziert: „Dies ist mein Leib“. Es könnte auch heißen: „Dies sei mein Leib“. Und genau das war - lange vor Luther - Grund für die erste Kirchenspaltung in Ost und West. Pfaffe gegen Pope. Nichts ist so klein, dass es nicht ganz groß werden könnte.

veröffentlicht am 29.05.2016 um 21:15 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:10 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Hokuspokus also, auf das sich vier Hannoveraner Künstler, die seit Freitagabend in der „arche“ lust- und kunstvoll ausstellen, eingelassen haben. Gaukelei, fauler Zauber, Tricks und Vorspiegelung falscher Tatsachen, wie Prof. Ulf Schomer es in seiner Begrüßung nannte. An den „arche“-Wänden trotzige Titel à la „Hoffnung trotzdem“, mal blaulastig tiefdunkel, dann pastos aufgehellt. Scherenschnitte in Holz. „Kälte“ als Titel für Schwarz-Weiß und voluminös als „Waldesruh“ – geheimnisvoll vor lichtgrüner Spiegelung mit Schattenreflexen. Auch das Gaukelei – und als einziger Zaubertrick verraten: simple Leuchtfarbe.

Ein Elf-Minuten-Film von Dr. Rainer Grimm führt vier Künstler mit von Grimm geschichteten Acryl-Arbeiten auf geriffeltem Plexiglas vor. Der „Sogenannte Sklave“ nach Michelangelo, „David“ nach Donatello und reizvoll zwei Arbeiten „You can leave your hat on...“ nach unserem Cranach oder die „Vier Jahreszeiten“ nach Bouguereau.

Ganz anders: Uli Winter – übrigens langjähriges „arche“-Mitglied, der das alles in Rollen brachte und in die „arche“ – mit Tunnel-Strecke und „Bohrungen“ oder „Kopflagerung“. „Schein zu Sein und Sein zu Schein“ – nicht nur reizvolles Wortspiel von Prof. Schomer – und von ihm eindringlich auf das artistische Können des Hannöverschen Quartetts verwiesen. Uli Winter malt, so Dr. Grimm, aus „dem Fleck heraus“, hat keinen wirklichen Plan und plötzlich entwickelt sich Gegenständliches. Peter Groß – zauberisch auch ohne Erklärung. Im Film entsteht aus Schriftzeichen, die an China und Japan erinnern, wie von Zauberhand eine Tannenlandschaft. Bei Grimm drehen sich geduldig seine vorbild-trächtigen Acryl-Schichtungen, die sich so wunderbar verändern.

Burkhard Scheller zeigt eine Art Paravent, den er kunstvoll zusammenklappt, wendet, neu öffnet und präsentiert – scheinbar unbeteiligt. Uli Winter mit Farbklecksen, als sei’s ein Stück von Pollock, wären da nicht plötzlich Aussparungen und Flecken-Artistik. Und dann, wie in einem Vexierspiel Köpfe und zwei Augen, die sich zu einem verdichten, witzige Karikaturen seiner selbst.

Kunst als Spiel, Magie. Und hinter dem Ernst immer auch der Schalk. Auch Ehen halten länger, wenn viel gelacht wird. Künstler als Gaukler - eine Art spielender Kinder – wenn auch bereits mit Falten.

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