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Im Interview spricht Sprengel-Direktor Ulrich Krempel über unfaire Sammler und Rekorderlöse bei Auktionen

Hohe Preise für Kunst bedeuten keine Wertschätzung

Hannover. Bereits seit 1993 ist Ulrich Krempel Direktor des Sprengel Museums Hannover. Wie auch das zuweilen unter Rekorderlösen bei Auktionen leidet, erklärt er im Interview.

veröffentlicht am 28.12.2012 um 16:46 Uhr
aktualisiert am 29.10.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Daniel Alexander Schacht
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Herr Krempel, immer öfter werden für Kunstwerke Millionensummen gezahlt. Jeff Koons’ „Tulips“ erzielten 33,7 Millionen Dollar, Gerhard Richters „Abstraktes Bild 809-4“ 34,2 Millionen. Spielt der Kunstmarkt verrückt?

Im November gab es in zwei Auktionen in New York Rekordumsätze von über einer Milliarde Dollar. Es gibt Rekorderlöse für Kunstwerke nicht nur der Klassischen Moderne. Preise, die spekulativ innerhalb weniger Jahre um Tausende von Prozent in die Höhe gingen. Und es gibt neue Investoren aller Art, die offensichtlich das Vertrauen in klassische Werte wie Immobilien oder Anlagen verloren haben, so dass das klassische Kunstwerk in den Mittelpunkt ihres Interesses rückt.

Wächst mit den Preisen auch die Wertschätzung für Kunst und die Arbeit der Museen?

Dass solche Entwicklungen wenig mit dem Museum zu tun haben, und nur am Rande mit der Kunst, liegt auf der Hand. Denn die Akteure sind nicht die Künstler selbst, sondern Leute mit viel Geld, das eine sinnvolle Heimat sucht: eine Anlage, die sichere Renditen verspricht.

Ist das denn ein leeres Versprechen?

Mit Kauf und Verkauf von hochpreisiger Hype-Kunst, über Auktionen kann man schnelles Geld machen. Aber dann hat man die Kunst nicht mehr, sondern nur noch die Kohle. Fachleute für den Kunstmarkt sprechen von einer ungesunden Blase, die zu platzen droht.

Haben wir es nur mit einer abgehobenen Welt von Leuten zu tun, die mit leichter Hand Millionen hinblättern oder lassen sich auch künstlerische Trends herausschälen?

Ich bin kein Anlageberater. Trends entstehen eher in den Ateliers der Künstler, Hypes durch Marketing, Events, Angebotsverknappung und Exklusivität des Angebots. Rapide Preissteigerungen für bestimmte Kunst entstehen auch durch das Interesse vermögender Sammler. Beispiele sind etwa Gerhard Richter, die deutschen Zero-Künstler, die Fotografie, rare Stücke der klassischen Moderne wie Picasso und Jasper Johns.

Was bedeutet dieser Handel mit Kunstwerken für die Museen?

Mit der Wirklichkeit in unseren Museen hat das alles nur mittelbar zu tun, immer da, wo wir unsere Kunstwerke im internationalen Leihverkehr oder, wenn sie uns geliehen sind, im Hause selbst mit immer höheren Versicherungssummen zu versichern haben. Das belastet die Budgets und den Leihverkehr, das treibt die Preise für Ausstellungen und Transporte in die Höhe. Insofern sind Museen stets mittelbar mitbetroffen.



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