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Hazmat Modine bieten Mix aus Blues, Welt- und Rootsmusik

Hinaus aus der Komfortzone

HILDESHEIM. Das hatte sich der Veranstalter Uwe Brennecke etwas anders vorgestellt: Im 600 Gäste fassenden Audimax der Uni Hildesheim sollte die New Yorker Roots- und Weltmusikband Hazmat Modine am Samstag auftreten. Da im Vorverkauf – vielleicht dem schwülen Wetter der letzten Tage geschuldet – zu wenige Karten abgesetzt wurden, wurde das Konzert ins Vier Linden verlegt. Für die letztlich gut 200 Zuhörer eine gute Entscheidung, passen die Amerikaner doch eher in einen Club.

veröffentlicht am 12.06.2018 um 17:04 Uhr
aktualisiert am 12.06.2018 um 20:30 Uhr

Wade Schuman bei einem seiner Soli. foto: jed
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Martin Jedicke Reporter
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Im Zentrum steht Wade Schuman mit seinem facettenreichen Harmonika-Spiel und seinem knarzigen Gesang, der nicht nur den finalen Song, Irving Berlins „Walking Stick“, prägt. Bei Hazmat Modine gerät der Song hübsch rumpelig, wie man das von Tom Waits kennt. In der Rumba „The Doctor’s Wife“ wird Schumans Stimme durch die helle Tonlage Erik della Pennas kontrastiert, der exquisite Gitarren- und Banjopassagen beisteuert und mit Schuman für den Großteil der Kompositionen verantwortlich ist. So auch für den „Delivery Man“, der Zeit zu verteilen hat. Eine Metapher für Leben und Sterblichkeit. Und eine Erinnerung an den Bond-Film „Leben und sterben lassen“, wo zunächst ein Begräbniszug zu getragener Musik durch die Straßen von New Orleans schreitet, unauffällig einen Ermordeten in dem mitgeführten Sarg aufliest und anschließend als karnevaleske Marching Band fröhlich tanzend weiterzieht.

Steve Elsons Klarinette prägt dabei den Umschwung zu immer schneller werdenden Klezmerklängen. Ebenfalls von dem noch nicht erschienenen neuen Album „Box of Breath“ stammt „Crust of Bread“. Ein Lied über die Schere zwischen arm und reich mit Call- und Response-Anteilen über einem Fundament aus malischen Rhythmen. Schuman an der Penny-Whistle, am Ende Big-Band-Sound mit Elsons Saxofon und Pam Flemings Trompete.

Wade Schuman, der die erste der beiden Zugaben mit einem wunderbaren Gitarrensolo einleitet, gibt kurze Erläuterungen zu den Songtexten, die sich mit Beziehungskonflikten, zunehmend aber auch gesellschaftspolitischen Problemen auseinandersetzen. Und natürlich bekommt auch Trump sein Fett weg. Zur Show gehören Ausflüge ins Publikum und Soli auf einer der vielen Mundharmonikas, die er aus einem Kästchen kramt. Deren Sound wird oft durch eine Tröte geblasen verfremdet, mitunter mit Spucklauten, Wah-Wahs und rhythmischem Klacken erweitert.

Der Hingucker ist freilich Joe Daleys riesiges Sousafon, dass vor allem die Basslinien übernimmt. Schlagzeug und Violine ergänzen ein Klangbild, dass sich in der Namensgebung der Band spiegelt. „Hazmat“ ist eine Kurzform für ‚hazardous material‘, also Gefahrgut, und „Modine“ der Hersteller eines Heizlüfters. Hazmat Modine bleiben nicht in Komfortzonen, heizen ordentlich ein, ohne jedoch heiße Luft zu produzieren. Denn zur Kühlung steht ein Ventilator auf der Bühne.

Ein Konzert, dass trotz der Bestuhlung häufig applaudierende Fans zurücklässt, die sich immer wieder erheben und in den Seitengängen des Saals tanzen. Trotz der Hitze.



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