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Landestheater Detmold begeistert mit Verdis Oper „Luisa Miller“ in Hameln

Herrlicher stimmlicher Glanz

HAMELN. Schillers Trauerspiel „Kabale und Liebe“ war der äußere Rahmen für die 1849 entstandene Oper „Luisa Miller“ von Giuseppe Verdi. Aber dessen Librettisten haben nur vage die Handlung übernommen, die Oper lebt von der genialen Musik des Komponisten. Leider wird das Werk nicht sehr häufig aufgeführt, und so sah man der Aufführung durch das Landestheater Detmold mit großer Erwartung entgegen.

veröffentlicht am 23.05.2019 um 18:14 Uhr

Szenenfoto aus Verdis Oper „Luisa Miller“. Foto: LTD Schäfer

Autor:

E. W. Holländer

Wieder einmal stellt sich die Frage, warum sich so viele Hamelner Opernfreunde ein solches Ereignis entgehen lassen. Die Treuen waren zwar gekommen, und immerhin hatte man viel Jugend in das Hamelner Theater eingeladen, aber dennoch gähnten zahlreiche leere Reihen.

In Detmold hat Regisseur Christian von Götz das Werk inszeniert, etwa im Stil der 20er Jahre, mit einem „Brecht“-Vorhang, der die wechselnden Schauplätze immer wieder freigab, und die waren in finsterem Schwarzweiß gehalten (Bühne und Kostüme: Lukas Noll), man musste sich anfangs daran gewöhnen. Faszinierend war, dass es keinen Leerlauf gab: Chor, Extra-Chor und Statisterie wurden wirkungsvoll eingesetzt, nicht immer für den Zuschauer verständlich. Eine Solo-Szene geriet auch eher peinlich. Als Besonderheit sah man die Tänzerin Caroline Lusken in ständiger virtuoser Bewegung, sie markierte den Tod: ein durchaus stimmiger Einfall. Im übrigen gab es recht detaillierte Übertitel als Stütze für den Handlungsverlauf, denn gesungen wurde natürlich in der Originalsprache.

Echten Glanz erhielt die Aufführung durch die großartigen musikalische Leistungen. Generalmusikdirektor Lutz Rademacher lotete mit dem offensichtlich etwas verkleinerten Orchester die von Verdi, dem wahren Könner, geschaffene Partitur aus, viele Feinheiten wurden deutlich hörbar. Auch die Chöre, geleitet von Francesco Damiani, hatten vollen Anteil am Gelingen, sie sind in diesem Werk ohnehin ein wesentlicher Bestandteil. Detmold verfügt über ein hochkarätiges Solisten-Ensemble. Alle, selbst die kleinen Partien waren hervorragend besetzt, boten nicht nur gesanglich, sondern auch in der Darstellung große Leistungen. Seungweon Lee gab dem Grafen von Walter markige stimmliche Tiefe. Von Nana Dzidziguri hörte man als Herzogin Frederica einen warm timbrierten Mezzosopran. Eine der Säulen des Ensembles, Andreas Jören, gab der Vaterfigur Miller seine lang bewährte sonore Stimme.

In der Handlung nimmt der schurkische Sekretär Wurm eine besondere Stellung ein, hier gönnte man dem Sängerdarsteller Karl Huml gar einen winzigen Hauch von Mitleid. Dem Liebespaar Rodolfo und Luisa hat Verdi die schönsten Aufgaben zugeteilt. Ji-Woon Kim brachte zunehmend die tenoralen Glanzlichter: Strahlend erklang seine große Arie, eines der wenigen bekannten Stücke dieser Oper. Die Krone gebührt Megan Marie Hart, die in der Titelpartie alle Leuchtkraft ihres im Piano bis hin zum kraftvollen Forte wunderschönen Soprans erklingen ließ. Den ganzen Abend über gab es immer wieder herrlichen stimmlichen Glanz in wechselnder Besetzung. Einer der Höhepunkte war vielleicht der große, auf lange Strecken unbegleitete Ensemblesatz im dritten Akt. Die eindrucksvollen Schlussszenen, die freilich ihre Längen haben, bringen noch einmal gebündelt die ganze Schönheit des von Verdi gestalteten Melos. Sie gingen aber auch, so muss man das sagen, in der Darstellung echt „unter die Haut“.



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