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Aufstieg und Fall einer Dynastie: „Lehman Brothers“

Heitere Götterdämmerung

HAMELN. Tanz auf dem Vulkan und die Welt am Abgrund als Spiel und heitere Revue. Satire auf eine der beeindruckendsten Familiengeschichten, die mit einem Parforceritt im Ruin endet. Ziemlich genau vor zehn Jahren fand das ökonomische Weltreich der „Lehman Brothers“ – in dem die Sonne niemals unterging – ein spektakuläres Ende.

veröffentlicht am 18.09.2018 um 15:53 Uhr

Ziemlich genau vor zehn Jahren fand das ökonomische Weltreich der „Lehman Brothers“ ein spektakuläres Ende. Foto: Alvise Predieri
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Autor

Richard Peter Reporter

Insolvenz der global agierenden Bank. Und die Folge: taumelnde Geldinstitute weltweit – eine Krise, die den deutschen Steuerzahler bislang mit rund 59 Milliarden Euro belastete. Mehr noch: Ex-Päsident Wulf sieht in der Krise von 2008 den Ursprung des Rechtspopulismus. Die Exzesse in der Finanzwelt empörten die Bürger vor allem, weil sich die Verantwortlichen nie verantworten mussten. Millionen Amerikaner verloren ihre Jobs, ihr Haus, ihre Altersversorgung. Ehen gingen zu Bruch. Stefano Massini erzählt die Geschichte der Lehman Brothers, die in einem Dorf bei Würzburg lebten und nach Amerika emigrierten, als Comic.

Dennoch perfektes Timing und Hamelns Theaterchef Wolfgang Haendeler mit Händchen und Gespür fürs Aktuelle – auch wenn zur Premiere, die am Montagabend auch Start in die Spielzeit war, kein „ausverkauft“ an den Türen hing. Allerdings hatten viele auch die Gelegenheit wahrgenommen, die öffentliche Generalprobe am Abend zuvor nach dem Thaterfest zu besuchen. Vorgeführt: Die Erfolgsgeschichte und bittere Parabel über die Verführbarkeit des Menschen. 150 Jahre Kapitalismus made in USA. Wo immer Geld im Spiel war - Bankengründung, Jeans, Panamakanal, Eisenbahnen, Erdöl, Kaffee, Krieg und King Kong – die Lehman Brothers mischten mit. Bis es zuletzt in dritter Generation unüberschaubar wurde. Götterdämmerung.

Ich versuche das Publikum darüber zu informieren, wer unter dem Grabstein mit der Inschrift Lehman begraben liegt.

Stefano Massini, Autor und Theaterregisseur

Johannes Pfeifer inszeniert schlaglichtartig die so unterschiedlichen Stationen dieser Familiensaga. Grell, irrwitzig – ein bisschen so, wie der sprichwörtliche kleine Moritz sich das vorstellt. Karikiert, übertreibt, stellt aus. So gerät ihm vieles zum schalen Witz. Der eigene Anspruch, eine Geschichte erzählen zu wollen – opfert er Gags. Das kann manchmal ganz witzig sein, auch theatralisch – wird aber nicht dem Thema gerecht, von dem Massini sagt: „Ich versuche das Publikum darüber zu informieren, wer unter dem Grabstein mit der Inschrift Lehman begraben liegt“. Eine Spurensuche, die spannend hätte sein können. Spannender allemal als die turbulente Schau, die sich ein ums andere Mal über die Figuren lustig macht.

Zu vermuten allerdings, dass die Stategie des a.gon Theaters mit der fast kabarettistischen Inszenierung Pfeifers zum Erfolg führen könnte – wie bei der Hamelner Tourpremiere. Ein Verdienst des Ensembles – Oliver Severin, Paul Kaiser, Nikola Norgauer, Konstantin Gerlach, Wolfgang Mondon und Sebastian Gerasch in unterschiedlichsten Rollen. Sie hätten sich auch ganz anders auf ihre Figuren einlassen können.



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