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„Theater Hameln unterwegs“: Christiane Hess präsentierte „Hexen, Heiden, Heilige“

Heidnisches am christlich magischen Ort

Hameln. Wohl kaum einer der mehr als 60 Zuschauer, die sich in der Enge der St. Annen-Kapelle in Wangelist drängten, konnte sich dem spiritus loci dieses außergewöhnlichen Spielortes entziehen. Im 1469 gestifteten, ehemaligen Gotteshaus der Leprakranken des Spitals Wangelist präsentierte die Schauspielerin Christiane Hess zum Abschluss der Serie „Theater Hameln unterwegs“ ihr Erfolgsstück „Hexen, Heiden, Heilige“, perfekt ins rechte Licht gesetzt vom technischen Team des Theaters.

veröffentlicht am 21.05.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 03:41 Uhr

Christiane Hess mit „Hexen, Heiden, Heilige“.  Foto:

Autor:

Ernst August Wolf
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In der altehrwürdigen Fachwerkkirche wurden die Besucher vor dem Marienaltar aus der Schule des Konrad von Soest Zeuge allerlei heidnischer Sagenstoffe. Schon beim ersten Stück, der Sage um die Entstehung der Ricklinger „Teufelskuhle“, hing das faszinierte Publikum buchstäblich an den Lippen der Akteurin, sperrte Mund und Augen auf angesichts der vor allem pantomimisch sehr eindrucksvollen Gestaltung des archaischen Stoffes.

Komischer Gegenpol

Was folgte, war die düstere Geschichte der „Alten Taufe“ hoch droben im Deister, ein Drama von nahezu antikem Zuschnitt. Doch die versierte Theatermacherin Christiane Hess weiß den Horror durch einen komischen Gegenpol erträglich zu machen. Was schon Shakespeare als „comic relief“ meisterhaft zelebrierte, gestaltete die Schauspielerin durch ein umwerfend komisch inszeniertes Gespräch von vier ungewollt ihre Entthronung erlebenden germanischen Gottheiten.

Nach der Pause dann die ultimative Wahrheit über den Hamelner Rattenfänger aus der Perspektive einer Tagebuch schreibenden „Ratz“. Insbesondere die Fortpflanzungsfreudigkeit und unerschütterlich gute Laune der Plagegeister erheiterte das Publikum dabei aufs Höchste.

Heidnisches im christlichen Gotteshaus, das hat ganz und gar nichts Anstößiges, ganz im Gegenteil. Selbst die Gottesmutter schien amüsiert ob soviel urwüchsiger Theaterkünste. Und schließlich erfahren auch die gnadenlosen Heiden am Ende die frohe Botschaft von Vergebung und Errettung.

In einer schauspielerischen Glanzleistung hat Christiane Hess in „Hexen, Heiden, Heilige“ die elementaren Kräfte der heimischen Sagenschätze einem breiten Publikum neu aufgeschlossen, und dazu einen Ort gewählt, wie er kaum besser sein könnte.



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