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Erfolg für Stefan Vanselow und Hamelner Kantorei

Haydns „Schöpfung“ erstklassig dargeboten

Hameln. Der Reiz, mit Tönen Geschichten zu malen, hat seine von Kuhnau bis Messiaen über Jahrhunderte tradierte Geschichte und dürfte wohl auch weiterhin alle Zeitenwechsel überdauern. Einer der Größten in der Zunft dieser Musik-Maler ist bis heute Joseph Haydn. Gut ein Drittel seiner über 100 Sinfonien tragen Titel wie „La poule“ (Das Huhn), „Die Uhr“ oder „Le matin“ (Der Morgen). Einzigartig ist seine Schilderung vom Entstehen des Weltalls, der Erde und der auf ihr lebenden Wesen.

veröffentlicht am 19.04.2016 um 16:56 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:26 Uhr

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Autor:

Karla Langehein
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Nun erlebte Haydns „Schöpfung“ in Hamelns Marktkirche durch die Hamelner Kantorei eine hochklassige Aufführung, die für Stefan Vanselow als Oratorien-Premiere im neuen Amt zu einer Art Ritterschlag wurde. Sehr bestimmt, aber ohne Druck, stattdessen mit einer gewissen Lockerheit und Eleganz führt er die Musiker mit zweckmäßig schnörkellosen und präzisen Angaben durch die Partitur.

Auf diese Weise gelingt auch ein so heikler Chorsatz wie das zusammen mit dem Orchester in Sechzehntelkoloraturen mündende „Stimmt an die Saiten“. Das Gewebe der Chorstimmen behält mit dichten Wechseln der Dynamik selbst in etwas anstrengenden Höhen Glanz und Durchsichtigkeit. Eine großartige Leistung der hervorragend artikulierenden Kantorei – wie auch des nach längerer Pause wieder einmal zu hörenden Ensembles Schirokko. Ihm oblag die von Haydn in einem formlosen Largo angelegte und von Vanselow mit großem Atem durchgehaltene Realisierung des Chaos’ - schon da ragte aus dem zuverlässig gut und plastisch musizierenden Kammerensemble die glänzend gespielte erste Flöte heraus.

Neben Chor und Orchester haben drei Solisten die Aufgabe, vom Entstehen unserer Welt zu berichten. Zuvor aber wecken sie die Sehnsucht nach unverletzter Natur und rühren in ihrer wissenschaftsfernen Naivität. Schon deshalb ist es eine tolle Idee, Schüler der Klassen 3 bis 5 einzelne Szenen der Schöpfung malen zu lassen und das Programmheft mit diesen Bildern zu illustrieren.

Mit Magdalene Harer (Sopran), Eric Stockloßa (Tenor) und Tobias Berndt (Bass) engagierte Vanselow drei auf einer hohen Ebene musizierende Sänger. Jede dieser Stimmen verfügt über ein enormes Farbspektrum, in dem die Tiefen des grollenden Wassers, der im zweifachen Pianissimo aufsteigende Mond und das bis zum dreigestrichenen c emporjubelnde Lob Gottes in hinreißender Bildhaftigkeit Klang annehmen.

Am Ende stand nicht endenwollender Beifall, der mit einem Zitat aus dem letzten Raphael-Rezitativ unterstrichen wird: „... und es war sehr gut“.



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