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Eine Seltenheit im Passionskonzert: Bei Symphonia Nova singt eine Männerstimme im Sopranfach

Haydn, Pergolesi und ein Stimmwunder

Hameln. Ob derart jugendliche Musiker wohl über ausreichend Konzerterfahrung verfügten, hätten sich die Veranstalter gefragt, sagt Dr. Marion Müller vom Kirchenvorstand der Münster-Gemeinde, sei doch die Mehrheit der Mitglieder der im vergangenen Oktober gegründeten Symphonia Nova deutlich unter 30 Jahre alt. Doch was das Ensemble von Studierenden unterschiedlicher Fachbereiche der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster im Passionskonzert in St. Bonifatius zu Gehör brachte, erwies sich als das völlige Gegenteil jugendlicher Unerfahrenheit.

veröffentlicht am 06.04.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 08:21 Uhr

Das junge Ensemble: Bassist Ben Sahlmüller, Philipp Mathmann (So

Autor:

Ernst August Wolf
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Im ersten Teil spielte Harduin Boeven, Kantor an St. Nicolai in Lippstadt und renommierter Konzertorganist, auf der Marcussen-Orgel vier ausgewählte, von ihm selbst auf der Grundlage von Haydns „Clavierauszug“ bearbeitete Sätze aus dessen „Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze“.

„Ein hervorragendes Instrument“, lobte der Musiker, der alle Register nutzte, um die zusätzlichen Klangfarben und Harmoniestimmen der Haydnschen Orchesterfassung in sein Spiel einzubeziehen.

Nach dieser Hommage an den vor 200 Jahren gestorbenen Joseph Haydn überraschte die Symphonia Nova mit einem erstaunlich professionellen, sehr reifen und konzentriert vorgetragenen „stabat mater in f-Moll“ von Giovanni Battista Pergolesi. Dieses im 18. Jahrhundert oft kopierte letzte Werk Pergolesis, nach einem lateinischen Originaltext aus dem 13. Jahrhundert, lässt in den Solopassagen eher an Opernarien denn an gregorianischen Chorgesang denken. Pergolesis Neigung, liturgische Texte so zu vertonen, als handele es sich um Opernlibretti geistlichen Inhalts, sei, so Marion Müller, vor allem im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum auf Kritik gestoßen.

Der glockenklare Sopran begeisterte

Vor allem der glockenklare Sopran des 23-jährigen Philipp Mathmann begeisterte die Zuhörer. „Das ist eine große Seltenheit, wenn Pergolesis ‚stabat mater‘ in der Originalbesetzung mit männlichem Sopran und Alt gesungen werden kann“, freute sich auch Ensembleleiter Harduin Boeven. „Philipp ist als Bariton und Sopran ein äußerst seltenes stimmphysiologisches Phänomen.“

Daniel Lager (Alt), Philipp Mathmann (Sopran) und die jugendliche Symphonia Nova bewiesen, dass exzellent gespielte Passionsmusik des 18. Jahrhunderts keine Frage des Lebensalters ist, sondern allein eine von Talent und Begabung. Und davon gab es an diesem Konzertabend reichlich.



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