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Tour-Auftakt in Hameln

Haudegen: Traurig, aber schön

HAMELN. Bei dem Bandnamen Haudegen im Zusammenhang mit Deutschrock denkt man zunächst vielleicht an laut und heftig. Doch in der leider nur zu etwas mehr als der Hälfte gefüllten Sumpfblume erlebten die Zuhörer den Tour-Auftakt einer Band, die nicht einfach krachend nach vorn spielt, sondern nahezu alle Facetten moderner Rockmusik abbildet.

veröffentlicht am 16.03.2018 um 17:47 Uhr

Hagen Stoll und Sven Gillert präsentieren mit Haudegen Deutschrock in vielen musikalischen Facetten, vor allem Freundschaft ist ihr Thema. Foto: hx

Autor:

Peter Höxter

Die beiden aus Berlin-Marzahn stammenden Sänger Hagen Stoll und Sven Gillert bezeichnen ihre Musik selber als „Gossenpoesie“ und das trifft es eigentlich recht gut; denn statt ausschließlich markiger Sprüche finden sich in den durchweg selbst komponierten Stücken auch feinsinnige Textpassagen mit viel Wortwitz. Begleitet von Jacob Nebel und „Mikey“ an den Gitarren, Phill Magee am Bass sowie Jan Siekmann an den Drums bewies die Band, dass Deutschrock auch musikalisch anspruchsvoll sein kann.

Bereits 2011 gastierte die erst 2010 gegründete Band in der Sumpfblume – damals vor vollem Haus – und es waren tatsächlich vierzehn Zuhörer dabei, die auch den ersten Auftritt erlebt hatten. So wie die beiden Mittvierziger Frank und Klaus aus Hameln, die damals zu eingefleischten Fans wurden. „Wir können uns mit den Texten identifizieren; denn wir haben ähnliche Lebenserfahrungen machen müssen wie die beiden Sänger.“

In den Liedern werden Alltagssituationen thematisiert und vor allem Freundschaft in all ihren Facetten. Natürlich auch Vertrauen – oft gebrochen – oder die Ellenbogengesellschaft. „Nach oben schleimen – nach unten treten, so ist das Leben, es fließen Blut, Schweiß und Tränen“. Bei diesem Titel skandiert das Publikum enthusiastisch den Refrain mit und die Stimmung erreicht einen der vielen Höhepunkte.

Die beiden Sänger Sven und Hagen arbeiten ständig mit dem Publikum. Beim Lied „Großvater sagt“, einer stimmungsvollen, zweistimmig gesungenen Ballade, setzen sie sich gemeinsam mit dem Gitarristen Mikey direkt auf den Bühnenrand und erzeugen so – ganz dicht am Publikum – eine echte Gänsehautatmosphäre. Einem Mädchen, von deren Erkrankung sie wussten, schenkte Hagen spontan eine Halskette, die er beim Konzert trug.

Mit den Medien haben sie offensichtlich schlechte Erfahrungen gemacht, denn ihre Lieder werden nicht im Radio gespielt. Zu Unrecht, meint der Autor dieser Zeilen, denn in keinem der Texte kam eine politisch wertende Aussage vor; vielmehr ging es um eine bessere Gesellschaft und ein harmonisches Miteinander.

Die vor dem Projekt Haudegen als Solo-Rapper aktiven Sänger sind am ganzen Körper tätowiert und reden in direkter „Berliner Schnauze“. Möglich, dass da dann Schubladen aufgehen. Doch bei diesem Konzert vermitteln sie Zuversicht: „Schaut nicht nach unten, schaut nach oben, das ist doch viel schöner.“

„Wir möchten mit unserer Musik anderen helfen, uns hat sie auch viel geholfen. Wir sind sensible Menschen, die ihr Herz in die Songs packen.“ Das spürt man und genau das hat ihre Musik bereits bei Frank und Klaus aus dem Publikum bewirkt. Sie schwelgen bei den Liedern und kennen alle Texte. Und als sich die Sänger beim Publikum für die tolle Stimmung bedanken: „Ihr habt heute die Sumpfblume zu unserem Wohnzimmer gemacht“, singen Band und Publikum gemeinsam – diesmal nicht selbstkomponiert – „Oh wie ist das schön …“

Ja, schön war es wirklich und mit dem treffenden und einfühlsamen Titel „Zu Hause“, „Ich bin zurück, wir fangen neu an – du fühlst dich nach zu Hause an“, beendeten Haudegen einen Abend, der sich tatsächlich nicht fremd oder überlaut, sondern stimmungsvoll wie zu Hause anfühlte.



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