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Jens Rosteck stellt Joan-Baez-Biografie vor

Hartnäckig gegen den Strom

HAMELN. Er ist in Hameln kein Unbekannter und kann auf eine große Fangemeinde zählen. Zum siebten Mal stellte der aus Hameln stammende und seit kurzem wieder in Deutschland lebende Musikwissenschaftler Dr. Jens Rosteck eines seiner Bücher vor. Nach dickleibigen Werken etwa über Edith Piaf und Jacques Brel ist sein jüngstes Buch Joan Baez, einer Ikone der US-Protest- und weltweiten Friedensbewegung, gewidmet.

veröffentlicht am 15.10.2018 um 17:31 Uhr
aktualisiert am 15.10.2018 um 19:10 Uhr

Gut 100 Gäste waren zur Matinee in die Pfortmühle gekommen, um den Ausführungen von Dr. Jens Rosteck aus seinem Buch über Joan Baez zu lauschen. Foto: eaw
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Autor

Ernst August Wolf Reporter
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Ein Name, der, zumal wenn er von Rosteck vorgestellt wird, auf das verstärkte Interesse auch des Hamelner Publikums trifft. Immerhin gut 100 Gäste waren zur Matinee der Bibliotheksgesellschaft in die Pfortmühle gekommen und erlebten einen sprachlich gewohnt brillanten Autor, der seine Ausführungen mit Bildern und Hörbeispielen optisch und akustisch garnierte.

Geht Joan Baez mit ihrem Leben für den Frieden diesmal beim Friedensnobelpreis wieder leer aus? Ein Gedanke, den Rosteck an den Anfang seines Vortrages stellte. In dem skizzierte er akribisch die Entwicklung der Sängerin mit mexikanisch-schottischen Wurzeln, die sich zeitlebens weniger als Sängerin denn als Politikerin verstand. „Gegen Gewalt und Krieg nur mit der Gitarre und einer einzigartigen Stimme“, so Rosteck.

Eine Künstlerin, die hartnäckig weiter gegen den Strom schwimmt.

Dr. Jens Rosteck, Musikwissenschaftler

Mit 18 beim Newport-Festival zum Star geworden, folgte ein Leben für den Frieden. Mit vielen spektakulären und äußerst mutigen Aktionen: mitten im vom Krieg verwüsteten Sarajewo etwa, oder als Antikriegsdemonstrantin vor der Ranch des US-Präsidenten George Bush. An der Seite auch vieler deutscher Prominenter von Udo Lindenberg über Franz Joseph Degenhard und Konstantin Wecker.

Ob im Einsatz für vietnamesische Boatpeople 1977 oder heute im Rahmen der Anti-Trump-Bewegung, „Willenskraft, Charakterstärke und Freiheitsstreben“, so Rosteck, sind Kennzeichen des „kleinen schwarzen Schmetterlings“. Rosteck: „Eine Künstlerin, die hartnäckig weiter gegen den Strom schwimmt.“

Und „eine engelhafte Erscheinung mit einer Stimme von fast schmerzhafter Reinheit“ bescheinigte die internationale Kritik der Baez, die sich aber auch Anfeindungen gegenübersah. Als „Heilige und Heulsuse“, die sich „Blauäugigkeit und nervendes Dauervibrato“ vorwerfen lassen musste.

Unverändert bleibt die Sängerin aber auf ihrem konsequenten Friedenskurs. Selbst mit 77 Jahren ist Baez noch kein bisschen leise.

Rosteck setzt ihr in seinem gut lesbaren, dennoch sprachlich sehr anspruchsvollen Schreibstil mit seiner Biografie das wohlverdiente, überfällige literarische Denkmal. Das erste weltweit übrigens seit 40 Jahren.



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