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Das Land ist Ehrengast der Buchmesse – viele Autoren erinnern an die Toten der Diktatur

Harte und realistische Töne aus Argentinien

Schwierigkeiten bei der Übersetzung des Titels gab es keine: „76“ heißt ein Erzählband von Félix Bruzzone. In jenem Jahr ist der Argentinier geboren; doch der Titel seines Buches (auf Deutsch erschienen im Berenberg Verlag) verweist auf ein für das moderne Argentinien traumatisches Jahr: den Beginn der Militärdiktatur, die 1983 endete. Argentinien ist Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, die noch bis Sonntag andauert. In dem Jahr, in dem das Land den 200. Jahrestag der Unabhängigkeit feiert, ist solch ein Auftritt besonders prestigeträchtig. Doch die Schriftsteller des Gastlandes, zumal die jüngeren, kreisen in ihren Büchern um ein düsteres Thema, vor allem um die Jahre der Diktatur.

veröffentlicht am 07.10.2010 um 14:29 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 13:21 Uhr

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Autor:

Martina Sulner
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In dieser Zeit ließ das Regime um die 30 000 Menschen „verschwinden“: Die meisten wurden gefoltert und ermordet, viele schwer verletzt oder tot aus Flugzeugen über dem Meer abgeworfen. Die meisten Leichen sind nicht wieder aufgetaucht.

Bruzzone erzählt in seinem Buch alltägliche Geschichten – doch die Vergangenheit ist stets präsent, fast jede seiner Figuren hat während der Diktatur Angehörige verloren. Wie der Autor selbst, dessen Eltern ermordet wurden. Laura Alcoba beschreibt in ihrem autobiografischen Roman „Das Kaninchenhaus“ (Insel Verlag) die Zeit der Militärjunta aus Kindersicht. Wie überhaupt zahlreiche neue Romane von Kindern handeln: den Kindern von „Verschwundenen“, die von Militärangehörigen oder Regimetreuen adoptiert wurden. Rund 500 illegale Adoptionen hat es zwischen 1976 und 1983 gegeben. In der Autobiografie „Mein Name ist Victoria“ (Droemer Knaur) beschreibt Victoria Donda, wie sie als Erwachsene erfuhr, dass sie unter falschem Namen bei Adoptiveltern aufgewachsen war.

Nicht alle der rund 200 Bücher aus Argentinien, die zum Buchmessen-Auftritt ins Deutsche übersetzt wurden, kreisen um die Ermordeten. Doch in der zeitgenössischen Belletristik sind Diktatur, Exil und Mitläufertum nahezu allgegenwärtig. Die Neuerscheinungen zeigen auch, dass in dem Land nicht mehr nur überbordend und phantastisch erzählt wird, wie es die Klassiker Jorge Luis Borges und Julio Cortázar taten. Die jungen Autoren schlagen auch harte Töne an und erzählen realistisch.

Das ist doch… richtig: Fußball-Legende Diego Maradona. Sein überlebensgroßes Porträt ziert den Pavillon des Buchmessen-Gastlandes Argentinien auf dem Messegelände.Foto: dpa



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