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Vintage Trouble präsentiert energiegeladene Bühnenshow

Handstand am Schlagzeug-Podest

ISERNHAGEN. Vintage Trouble haben zwei prima Studioalben abgeliefert. Dafür müsste man sie eigentlich kritisieren. Denn was die Band um Sänger und Teilzeit-Posaunist Ty Taylor am Freitagabend in der nach Kris Kristofferson innerhalb einer Woche erneut ausverkauften Blues Garage an Energie versprüht, können die Tonträger nicht wiedergeben. Von Vintage Trouble sollte es ausschließlich Live-Platten geben. Besser ist ein Konzertbesuch.

veröffentlicht am 25.06.2017 um 18:17 Uhr

Vintage Trouble begeisterte die Fans mit einem fulminanten Auftritt. Foto: jed
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Autor

Martin Jedicke Reporter
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Allein dem Frontmann zuzuschauen, mit 48 Jahren kein Jungspund mehr, ist eine Sensation. Wie einst James Brown kreiselt er um sich selbst, fällt auf die Knie – aber mehr noch: Er liegt nach einem Sprung am Mikroständer horizontal in der Luft, macht einen Handstand am Schlagzeug-Podest, schwingt das Mikrofonkabel wie ein Lasso, wirft sich als Stagediver auf die ausgestreckten Hände der 400 Gäste, läuft durch das Publikum bis auf die Empore und hilft auf dem Rückweg zur Bühne einem gestürzten Fan wieder auf die Beine. Klar, dass er nach ein paar Minuten von oben bis unten durchgeschwitzt ist.

Das gilt allerdings auch für die Zuschauer, die permanent zum Mitmachen aufgefordert werden: „Do you feel the groove? This is a dance party! A big dance party!“ ruft er ihnen zu und sie lassen sich nicht lange bitten. Es wird getanzt, rhythmisch geklatscht und nachgesungen. Besonders bei dem schlüpfrigen „Pelvis Pusher“, den Taylor mit eindeutigem Beckenschwung untermalt. Elvis („The Pelvis“) Presley wurde dafür von den selbst ernannten Sittenhütern der 1950er Jahre schwer gegeißelt.

Musikalisch ist das alles nicht neu. „Pelvis Pusher“ zitiert Rufus Thomas‘ „Do the Funky Chicken“. Aber keine Band dieses Jahrhunderts verquickt so frisch Soul, Blues und Rock und packt dies in eine dermaßen energetische Bühnenshow wie Vintage Trouble. Sie wollen die Vorbilder auch gar nicht verbergen. Sie wollen Vintage sein. Und es gibt Schlimmeres, als mit einer Stimme wie Otis Redding gesegnet zu sein. Natürlich hätte die Band wunderbar in das Line-up von Monterey gepasst, der Mutter aller Rock-Festivals. Auch „The Who“ haben dort vor ziemlich genau 50 Jahren gespielt, und wie die Stones, AC/DC und viele andere Superstars haben sie Vintage Trouble als Einheizer eingeladen. Auch die Blues Garage kocht nach wenigen Minuten.

Außer Rand und Band: Frontman Ty Taylor. Foto: jed
  • Außer Rand und Band: Frontman Ty Taylor. Foto: jed

Dabei hat Taylors Stimme bei ruhigeren Songs wie „Sorry“ auch den Schmelz eines Sam Cooke. Meist aber rockt die Band. Grandios, wie die Kalifornier die Stromschnellen in „Run Like the River“ meistern. Und der schwedische Gitarrist Nalle Colt spielt dazu eine herrlich swampige Slide-Gitarre. Der agile Bassist Rick Barrio Dill und Drummer Richard Danielson bilden ein top eingespieltes Rhythmusduo, das durch Brian London (Keyboards, Tamburin, Gesang) den Sound noch fetter macht.

Selbstverständlich hat Taylor die eine oder andere Botschaft im Gepäck. So inszeniert er eine Kennenlernaktion im Publikum, preist zwischenmenschliche Kommunikation als Basis des Weltfriedens und zeigt sich begeistert von der Location mit all den Bildern von Hendrix bis Zappa.

Zum Schluss das riffrockige „Knock Me Out“, die neue Single. Hier passt der meist zur Entschuldigungsfloskel verkommene Fußballer-Spruch wirklich: Sie haben alles gegeben. Deshalb okay: keine Zugabe.

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