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2200 Gäste erleben in Hameln, warum Dieter Nuhr live lustiger ist als im Fernsehen

„Halte ich Sie auf? Sie müssen nicht mitsitzen“

Hameln. „Nuhr die Ruhe“ nennt Dieter Nuhr sein aktuelles Programm. Dabei meint man, den 50-Jährigen zurzeit fast täglich auf diversen Fernsehstationen erleben zu können. Parallel zu seinem Auftritt am Freitagabend in der ausverkauften Rattenfänger-Halle (wir berichteten) auch in der Spielshow „Typisch Frau – Typisch Mann“. Unlängst beim satirischen Jahresrückblick, als Moderator der Kleinkunst-Preisverleihung, als Gast in allerlei Comedy-Sendungen und beim „Satire Gipfel“, dem Nachfolger von „Scheibenwischer“, wo Nuhr den hyperventilierenden Mathias Richling ablöste.

veröffentlicht am 30.01.2011 um 19:09 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 03:41 Uhr

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Autor:

Martin Jedicke
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Gegen den ist Nuhr freilich die Ruhe selbst. Besonders in der Zugabe, wenn er sich entspannt auf seinen Hocker fläzt: „Halte ich Sie auf? Sie müssen nicht mitsitzen. Zugabe war schon.“ Und als sich nichts tut: „Oder haben Sie noch Fragen?“ Da ist Nuhr spontaner Komödiant, und das ist für viele der 2200 Gäste ein noch größerer Spaß als das geplante Programm, dessen Versatzstücke aus diversen TV-Auftritten bereits bekannt oder bei YouTube abrufbar sind. Aber livehaftig präsentiert, gerät das „Wellness-Erlebnis für 70 Cent“ auf der Autobahntoilette allemal lustiger: Sanifair biete die „meditative Entleerung“ als „Event-Ausscheidung in harmonischer Einheit“. Unter die Gürtellinie taucht Nuhr allerdings selten hinab. Eher in die „guten alten Zeiten“, die sich näher betrachtet als defizitär erweisen. Beziehung und Evolution werden locker verknüpft. So sei der Wimpelfisch ein singuläres Beispiel für eine dauerhaft monogame Zweisamkeit, vor allem, weil er nicht spreche. Dem Menschen sei das Wasser nicht mehr gut genug gewesen. So sei er an Land gestiegen, um sein Handtuch auf die erstbeste Liege zu werfen.

Besonders gelungen: die Erklärung von Kommunikation im Prä-Handy-Zeitalter. Verabreden mit Uhr und Telefon an einem Ort, „den es bereits vor Google Maps gab“, Telefonbücher als „Datenbanken ohne Strom“ in Telefonhäuschen, deren Zustand dann wohl die Erfindung des Handys beschleunigt habe.

Politiker und Lehrer, Junge und Alte, Gott und die Welt – jeder bekommt sein Fett weg. Nur bedingt dient dabei das Motto „Nuhr die Ruhe“ als roter Faden. Dafür verkündet Nuhr aphoristische Lebensweisheiten („Gerecht ist, wenn der andere nicht mehr hat, als man selbst.“) in einer Beiläufigkeit, die mitunter Leerstellen setzt, die er überraschend doch noch ausfüllt. Und dazu zieht er genüsslich die Mundwinkel breit. Man gut, dass nach seinem Skiunfall die gebrochenen Rippen nicht mehr klappern.

Ein Date, das auch ohne Google Maps funktioniert: Dieter Nuhr fesselt sein Publikum in Hameln auch noch nach der Zugabe. Foto: jed



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