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Musical „Dogfight“ in Hameln

Hässliches Spiel als zwiespältiges Erlebnis

HAMELN. Ein Musical, erfolgreich dazu – vor allem in Amerika – und vor gut einem Jahr als deutschsprachige Erstaufführung im Theater für Niedersachsen in Hildesheim auf die Bühne gewuchtet: Nun kam es ins Hamelner Theater.

veröffentlicht am 23.05.2018 um 14:51 Uhr

Die Soldaten spielen vor dem Kriegseinsatz ein hässliches Spiel. Foto: pr/Falk von Traubenberg
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Autor

Richard Peter Reporter
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Als ein hässliches Spiel – wie es sich selbst tituliert –, sehr hässlich sogar, dieses „Dogfight“-Ritual der amerikanischen Elite-Truppe der US-Marines.

Turbulenter Abschied bevor es in den Krieg geht – und das angeblich hässlichste Mädchen, das einer zur Party schleppt, prämiert. Der Einsatz für den Loser, der hier Gewinner ist. Sie haben eine mörderische Ausbildung hinter und einen letzten freien Abend vor sich. Tauschen ihre Uniform gegen Zivil. Lautmalerische Rhythmen – dadadada – und eine Tanzeinlage. Dann löst sich die Truppe auf. Wo findet sich das hässlichste Mädchen? Vor allem für das Trio, das sich „Three Bs“ nennt, also „drei Bienen“. Gar nicht so einfach für ein Ensemble – und auch hier nicht gelungen – drei „hässliche“ Kolleginnen zu finden, die im Repertoire für andere Musicals und Operetten als hübsch und verführerisch durchgehen sollen. Rose, als Kellnerin beschäftigt, ein schüchternes Mädchen mit eindrücklicher Stimme, die nebenbei Songs schreibt und interpretiert. Eddie baggert sie an und sie kommt mit zur Party. Ralph engagiert Marcy – für die Hälfte des zu erwarteten Gewinns. Und Dick kann Ruth abschleppen. Eine Spelunke, in der Marcy den Preis gewinnt und Rose ernüchternd den Deal verklickert. Hier beginnt eigentlich das Stück und das, was man als Message bezeichnen könnte, wenn es denn eine gäbe in dieser etwas verworrenen Liebesgeschichte für eine Nacht. Auch wenn Rose, tief verletzt, von Eddie nichts mehr wissen will: Sie finden zusammen. Der Morgen danach: ab über den Pazifik. Rose bleibt zurück und vier Jahre ohne Nachricht. Nur Eddie kommt wieder.

Vermutlich gibt es geeignetere Themen für ein Musical. Immerhin: Alice Asper ist eine durchaus beeindruckende Show gelungen mit einem Ensemble, das über gute Stimmen, tänzerisches Talent und Spielfreude verfügt. Und damit auch Schwachstellen kaschiert. Auch musikalisch, wenn stereotyp die Endungen effektvoll ins Publikum strömen, aber irgendwann auch ihren Reiz verlieren. Eine Musik, die geradezu verzweifelt Lebensfreude suggeriert und am Sujet scheitert. So sehr ironische Momente für eine Art Ausgleich sorgen.

Was fasziniert: die Ensemble-Leistung und solistisches Können. Elisabeth Köstner als Rose und Tim Müller als Eddie, fast so etwas wie ein ideales Liebespaar. Blendend von Müller die Hilflosigkeit im Umgang mit Rose gespielt. Ein Kerl von Mann auf Männchen reduziert. Und Elisabeth Köstner ist in ihren Soli zur Gitarre ein kleines Erlebnis. Ein tolles Ensemble! Jürgen Brehm als Dick im Trio mit Ruth (Tanja Kleine) und Lukas Sandmann als Ralph, der sich Marcy, alias Teresa Scherhag, engagiert.

Das übrige Ensemble in unterschiedlichsten Rollen: Kaum wiederzuerkennen ist vor allem Jens Krause in fünf verschiedenen Rollen und toll als Drag Queen. Und Fehmi Göklü als Nachtclubsänger sowie fünf weiteren Partien. Allesamt Könner, auch die Band – fast schon „big“ zu nennen – unter Andreas Unsicker. Alle zusammen wurden vom Publikum gefeiert für ein über weite Strecken eher zwiespältiges Erlebnis.



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