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Gounods „Faust“ als konzertante Aufführung an der Staatsoper Hannover am Samstagabend vom Publikum mit viel Applaus gefeiert

Große Oper – ganz auf die Musik konzentriert und die Sänger

Hannover. Wer bei „Faust“ an Goethe denkt, wenn er Gounod hört, wird sich wundern, weil das, was er erlebt, nur entfernt an seinen – den deutschen – Faust erinnert. Es geht nicht um Erkenntnisdrang und nicht einmal um tragisches Scheitern. Dieser Faust hat zwar auch die Nase voll – vor allem aber will er wieder jung sein. Und Mädels flachlegen. Bei Goethe schleicht sich Mephisto ein – bei Gounod wird er herbeizitiert. Opern haben es gerne eindeutig. Der Weisheit letzter Schluss: Sex. Beim Franzosen Gounod erst recht. Gretchen wird schwanger, bringt in Verzweiflung ihr Kind um, landet im Gefängnis. Super gelaufen, Herr Professor!

veröffentlicht am 06.05.2012 um 14:07 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 08:21 Uhr

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Autor:

Richard Peter
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Immerhin: Ein Stoff, wie gemacht für die Oper. Spohr hat sich am Thema versucht, der Italiener Boito mit seinem „Mefistofele“ und zwei Franzosen. Berlioz mit „Fausts Verdammnis“ und eben Gounod, dessen „Faust“ bei uns lange „Margarethe“ hieß. Viele andere haben es auch versucht. Beethoven leider nicht.

Eine konzertante Aufführung in der Staatsoper Hannover – und damit alles auf die Musik konzentriert und natürlich die Sänger. Ein Quartett vor allem: Faust, Mephisto, Margarethe und Valentin. Dazu noch Wagner und Siebel. Die Marthe war in Hannovers Konzeption genauso gestrichen wie die Walpurgisnacht – nicht zu unrecht, weil die nur visuell einen Sinn macht. Kurzform gewissermaßen und Konzentrat.

Und Nicole Chevalier – die Entschwindende – als Gretchen. Die eigentlich undankbarste Rolle des Quartetts – wenn nicht eine Chevalier auf der Bühne stünde. Und einfach umwerfend ihr erster Auftritt mit Original-Goethe: „Bin weder Fräulein, weder schön, kann ungeleitet nach Hause gehn“. Vor allem dieses „nach Hause gehn“ geht unter die Haut. Das ist einzigartig, wie die Chevalier das macht. Ihre ganze Gesangskunst in eine Zeile fokussiert. Bei allen großen Momenten – und die Kästchenarie ist nur ein weiterer davon, auch das grandiose Kerker-Duett mit Philipp Heo als Faust – das ist mehr als beeindruckend, auch wenn die Chevalier der Marguérite eine etwas gutturale – auch durch die französische Sprache bedingt – sehr erotische, reife Stimme verleiht, die nicht immer ganz zu unserem Gretelchen passen will. Ein wunderbarer Mephisto mit Shavleg Armasi, die stärkste Figur im Stück, die nicht nur als dreckige Lache in Erinnerung bleibt – und Oleksandr Prytolyuk, kurzfristig als Valentin eingesprungen, durfte doppelt punkten.

Eine Wucht – auch wörtlich genommen: Ivan Repu¨ic am Pult des Staatsorchesters, der auf Bescheidenheit verzichtet und große Oper spielt und auch tönen lässt. Bei so viel Gounodschem Himmel darf es auch mal donnern. Das gilt auch für den Chor, dessen erster Auftritt geradezu Kirmes mäßig inszeniert war.

Eine schöne Aufführung, die mangels Regie und Bühne ausschließlich gefeiert und beklatscht wurde. Am stärksten natürlich der Böseste. Da spielte für „La Chevalier“ auch ein bisschen Trennung mit. Es gibt Verluste, die besonders bitter sind, auch wenn sie als Violetta zunächst erhalten bleibt.



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