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Karikaturen-Ausstelllung von Gerald Scarfe

Große Nase, dicker Bauch

HANNOVER. Ob Obama, Merkel, Trump oder Königin Elisabeth II.: Gerald Scarfe kennt keine Gnade, wenn es darum geht, Politiker und Prominente zu charakterisieren – und zu demaskieren. Früh hat sich Scarfe als freiberuflicher Karikaturist etabliert. Seit 1966 zeichnet er politische Karikaturen für die Daily Mail und das Time Magazin, ein Jahr später begann die bis heute andauernde Zusammenarbeit mit der Sunday Times.

veröffentlicht am 18.05.2018 um 14:40 Uhr

Zerstört der Amerikanische Präsident Donald Trump mit seiner Holzhammer-Politik Amerika? Foto: © Wilhelm Busch Museum

Das Museum Wilhelm Busch in Hannover zeigt 105 meist großformatige Zeichnungen des Großmeisters britischen Humors: Eine gesellschaftliche Zeitreise mit gnadenlosen Pointen.

Gerald Scarfe ist einer der führenden Karikaturisten Großbritanniens, der nationale und internationale Politik seit der Zeit des Vietnam-Kriegs kritisch begleitet und kommentiert. Geboren wird er 1936 im Londoner Stadtteil St. John Woods. Kindheit und Jugend sind von Krankheit überschattet: Als Einjähriger erkrankt er an chronischem Asthma, das ihn immer wieder über lange Zeiträume ans Bett fesselt oder zu Krankenhaus-aufenthalten führt. Seine Gefährten in dieser Zeit sind Bücher, das Radio und – der Zeichenstift. Zeichnen, so Scarfe, war seine Möglichkeit, zu kommunizieren.

Nach dem Besuch von verschiedenen Kunstschulen und des East Ham Technical College arbeitet Gerald Scarfe sechs Jahre lang als Werbezeichner und lernt so gut wie jeden Gegenstand zu zeichnen. Anfang der 1960er-Jahre wendet er sich der Karikatur zu und beginnt mit Veröffentlichungen in satirischen Magazinen wie Private Eye und Punch.

Wohin führt der Brexis-Weg von Premierministerin Theresa May? Foto: © Wilhelm Busch Museum
  • Wohin führt der Brexis-Weg von Premierministerin Theresa May? Foto: © Wilhelm Busch Museum

Seit 1967 ist er für die Sunday Times tätig. Gerald Scarfe verfolgt politische Debatten im House of Commons, ist bei Wahlkampfveranstaltungen dabei – und sieht sich selbst als zeichnenden Paparazzo, der unbemerkt seine Skizzen macht, aus der sich in seinem Studiodann die Karikaturen entwickeln. Vor allem die Staatenlenker und führenden Politiker stehen im Fokus seiner Karikaturen. International bekannt wurde Scarfe 1979, als er für Pink Floyd das Album-Cover für „The Wall“ entwarf.

Seine Karikaturen gehen schonungslos mit den Dargestellten ins Gericht: Theresa May etwa wirkt bei Gerald Scarfe mit markanter Nase, spitzen Fingern und unbehol fener Körperhaltung in Brexit-Fragen überfordert, die Wahl Donald Trumps ist die Geburt eines Monsters, das dem Elefanten USA entschlüpf tund eine pralle Bundeskanzlerin Angela Merkel jagt mit einem Schetterlingsnetz das EU-Sorgenkind Griechenland.

Darf die Karikatur so mit Politikern und Prominenten umgehen? Für die englischen Karikaturisten war dies noch nie eine Frage – er will das Unaussprechliche sagen, das Tabu mit einem Witz brechen – , immer mit dem Ziel, seine Meinung zu sagen, seine Sicht der Dinge und seine Einschätzung der Person dem Betrachter unmissverständlich vor Augen zu führen.red


Die Ausstellung im Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Hannover, Georgengarten, läuft ad dem 26. Mai bis 12. August. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen 11 bis 18 Uhr.

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