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Ein Reclam-Museum für Leipzig

Große Literatur im kleinen Format

LEIPZIG. Dank eines leidenschaftlichen Sammlers der Reclam-Hefte bekommt die älteste noch existierende deutschsprachige Taschenbuchreihe nun eine Ausstellung. Seit mehr als 50 Jahren sammelt Hans-Jochen Marquardt die handlichen Hefte. „Reclams Universal-Bibliothek“ hatte es ihm bereits als Jugendlicher angetan.

veröffentlicht am 23.10.2018 um 15:11 Uhr
aktualisiert am 23.10.2018 um 16:40 Uhr

Hans-Jochen Marquardt zeigt in seinem Museum in Leipzig eine Ausgabe von Reclams Wochenend-Bücherei. Sie kam Ende der 1920er Jahre als Blechkassette auf den Markt. FOTO: DPA

Autor:

Sabine Fuchs,

Aus der ganzen Welt trug er die Hefte zusammen, vor allem aus Europa, aber auch aus Australien und Südafrika. Nun erfüllt sich ein Traum von ihm: Heute öffnet in Leipzig das erste Reclam-Museum.

„Mich hat fasziniert, wie Literatur für wenig Geld weiten Teilen der Bevölkerung zugänglich gemacht wurde“, sagt der Pensionär (Jahrgang 1953) zu seiner Leidenschaft. „Reclam wurde in den Mansarden für Dienstpersonal ebenso gelesen wie in den Salons.“ Vor allem der 2011 gegründete Verein „Literarisches Museum“ hat sich für die Reclam-Schau starkgemacht. Anliegen sei es, die Erinnerung an den Verleger Anton Philipp Reclam (1807-1896) in der Stadt lebendig zu halten, in welcher der Verlag gegründet wurde.

„Wir wollen auch Lesungen und Vorträge bieten. Eine Zusammenarbeit mit der Leipziger Buchmesse ist ebenfalls geplant“, kündigt Marquardt an. Er ist gebürtiger Leipziger und lebt heute in Halle.

Blickfang der Ausstellung ist ein riesiger Schrank mit Reclam-Ausgaben bis zum Jahre 1945. „5500 Hefte enthält er, und sehr viel mehr gehen auch nicht hinein“, erklärt Marquardt. Gut 10 000 Hefte aus der Leipziger und Stuttgarter Produktion insgesamt sind im Museum zu sehen. Dabei werden die wechselnden Gestaltungsarten und Formate der ältesten noch existierenden deutschsprachigen Taschenbuchreihe deutlich.

Als erstes Heft der Universal-Bibliothek erschien am 10. November 1867 Goethes „Faust. Der Tragödie erster Teil“. Das erste edierte Heft sei jedoch nicht das erstgedruckte der Reihe gewesen, erläutert Germanist Marquardt. Bereits im März 1865 sei „Romeo und Julie“ von W. Shakespeare – so das Titelblatt der damaligen Ausgabe – gedruckt worden. Das meistverkaufte Buch der Reihe sei „Wilhelm Tell“ von Friedrich Schiller.

Ein weiterer Hingucker in der Schau ist der Nachbau eines Reclam-Bücherautomaten – eine Dauerleihgabe des Verlages Philipp Reclam jun. Stuttgart. Sie wurden vor allem in den Jahren 1912 bis 1917 an öffentlichen Orten wie Bahnhöfen und Krankenhäusern aufgestellt. Die Interessenten konnten dabei zwischen zwölf Titeln wählen.

Der Reclam-Verlag wurde 1828 in Leipzig von Anton Philipp Reclam gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg führte die DDR Reclam als Staatsbetrieb weiter. Die teilweise enteignete Verleger-Familie ging in den Westen und es kam zur Spaltung des Verlags. Nach der Wiedervereinigung firmierte Leipzig als Zweigstelle des Stuttgarter Unternehmens. Im März 2006 wurde das einstige Stammhaus in Leipzig geschlossen.



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