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Brittens Oper „Tod in Venedig“ am 14. Juni im Theater Hameln / Ein Vorausblick

Großartige Leistung erwartet

HAMELN/HILDESHEIM. Opern-Aufführungen sind im Theater Hameln nicht gerade häufig zu erleben. Zum Ende der laufenden Saison wird jedoch am Freitag, 14. Juni, hier ein Meisterwerk zeitgenössischer Musik geboten: Das „Theater für Niedersachsen“ präsentiert Benjamin Brittens 1973 entstandene Oper „Tod in Venedig“. Wir haben eine Aufführung im Großen Haus des Theaters für Niedersachsen, Hildesheim, besucht und die Leistungsfähigkeit dieser dem Hamelner Theater seit langem verbundenen Bühne bewundert.

veröffentlicht am 11.06.2019 um 13:57 Uhr
aktualisiert am 11.06.2019 um 20:00 Uhr

Foto: Falk von Traubenberg

Autor:

E. W. Holländer

Nun ist „Tod in Venedig“ nach der berühmten Novelle von Thomas Mann wohl nicht Brittens stärkste Oper, aber sicher die persönlichste, sie hat auch autobiografische Züge. Brittens Lebenspartner Peter Pears sang bei der Uraufführung die mörderische Titelpartie des Gustav von Aschenbach. Die Musik, nicht unbedingt Balsam für harmoniegewohnte Ohren, zeichnet das Drama um den alternden Schriftsteller mit weitgespannten Mitteln nach. Riesige, vielfach aufgeteilte Chorszenen und ein reich besetztes Orchester mit einem ganzen Arsenal von Schlagwerk sind darin prägende Marksteine.

In Hildesheim hat man im Orchestergraben kundige Musiker, die sich in diese ungewöhnlichen Aufgaben geradezu besessen hineinstürzen und unter der faszinierenden Leitung von Achim Falkenhausen die höchst komplexen Anforderungen der Partitur mit Präzision und unglaublichem Klangsinn erfüllen. Falkenhausen hat auch die Chöre – den Opernchor und den Jugendchor – in intensiver Probenarbeit einstudiert, und darin sind Künstler tätig, die zahlreiche kleine und größere Solopartien bewältigen.

Die Inszenierung besorgte der junge Regisseur Felix Seiler in einem eher schlichten Bühnenbild von Hannes Neumaier. Variable Holzbalken, vielfach aufgestellt, bildeten die zahlreichen wechselnden Schauplätze. Gesungen wurde aufEnglisch, der Originalsprache, und das etwas fremd anmutende Libretto ließ sich in den detaillierten eingeblendeten Titeln nachvollziehen.

Jede Aufführung steht und fällt mit der Besetzung der Partie des Aschenbach. Hier stand mit Hans-Jürgen Schöpflin wieder ein Kenner und Könner zur Verfügung, der mit gepflegtem Tenor, weithin strahlender Stimme und anrührendem Spiel überzeugte. Dieser Sänger musste übrigens den ganzen Abend über auf der Bühne stehen, eine beachtliche Leistung. Hervorzuheben waren einige nur vom Klavier begleiteten Monologe.

Die Gegenspieler, immerhin sieben höchst gegensätzliche Rollen, übernahm Uwe Tobias Hieronimi, bewährter und stimmlich hochkarätiger Bassist des Ensembles, mit ausdrucksstarkem Spiel und vielfach variierter Stimme, bis hin ins Falsett. Unter den weiteren Solisten faszinierte der stimmlich glänzende Countertenor Tobias Hechler, der die kleineren, aber endlich auch gesanglichen Passagen des Apollo einbrachte. Ferner hörten wir den Tenor Julian Rohde als Hotelportier und Jesper Mikkelsen als letztlich handlungstragenden Chef des Reisebüros. Eine wesentliche, aber stumme und deshalb nur von der Darstellung her ansprechende Rolle hat der junge Tadzio, der von Olv Grolle verkörpert wurde. Die Oper endet mit dem Tod des trotz Warnung an der Cholera erkrankten Aschenbach, der aber schließlich, gleichsam verklärt, in einen strahlenden Himmel hineinschreitet.

Allen am zeitgenössischen Musikschaffen interessierten Opernfreunden sei der Besuch dieses Werks im Hamelner Theater empfohlen.



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