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Musikwochen-Ende mit CREDO-Konzert

Grandioser Schlusspunkt

BODENWERDER/KEMNADE. Mit einem großen musikalischen Ausrufezeichen sind am Sonntagnachmittag in der Klosterkirche St. Marien Kemnade die 29. Musikwochen Weserbergland zu Ende gegangen.

veröffentlicht am 19.06.2017 um 17:15 Uhr
aktualisiert am 19.06.2017 um 18:20 Uhr

Der Kammerchor des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont, das Ensemble Schirokko unter der Leitung von Stefan Vanselow. Foto: rr
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Autor

Rudi Rudolph Reporter
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BODENWERDER/KEMNADE. Unter dem Titel „CREDO – Messvertonungen von Bach und Pärt“ fanden sich exquisite Solisten, der bestens disponierte Kammerchor des Kirchenkreises Hameln-Pyrmont sowie das renommierte 2007 gegründete Hamburger Ensemble Schirokko zusammen und verschafften dem zahlreichen Publikum ein Klangerlebnis besonderer Art.

Unter der einfühlsamen Leitung von Stefan Vanselow, Kreiskantor im Kirchenkreis Hameln-Pyrmont entwickelte sich die „Missa (Lutherische Messe) A-Dur“ BWV 234 von Johann Sebastian Bach zu einem jubilierenden ersten Höhepunkt des Nachmittags. Die kleine Schwester der populären h-Moll-Messe und eine von vier so genannten „Lutherischen Messen“ war wahrscheinlich für Gottesdienste an hohen Feiertagen in Leipzig gedacht, wo Bach zu jener Zeit wirkte.

Das um 1738 entstandene Werk, bei dem sich Bach verschiedener Parodie-Vorlagen bediente, das heißt, Übernahmen aus vier Kantaten, begann mit dem „Kyrie“, das der Kammerchor mit beeindruckend präziser Artikulation und sauberer Stimmführung sowie großem Stimmvolumen begann, dann zum „Gloria“ überging und schließlich bei den folgenden „Domine deus“, „Qui tollis peccata mundi“ und „Quoniam tu solus sanctus“ den vier Solisten das Feld überließ.

Hochgradig intensive Vorträge von Magdalene Harer (Sopran), Hilke Andersen (Alt), Georg Drake (Tenor) und Luciano Lodi (Bass) verzauberten und fesselten die Zuhörer, zumal die ausgezeichnete Akustik der Klosterkirche den würdigen Rahmen lieferte. Und dann mit dem Stück „Viatore“ von Peteris Vasks der Übergang in die Moderne, der keineswegs einen Stilbruch bedeutete, sondern in der von Stefan Vanselow eingerichteten und vom Komponisten autorisierten einsätzigen Fassung absolut beeindruckte.

Die Konstanten im Schaffen von Vasks sind die baltische Landschaft, Glück, Leid, Einsamkeit und die zuweilen fast mystische harmonische Verbindung von Mensch und Natur. In einer ausdrucksvollen Melodik mit langen Notenwerten und dennoch flüchtigen Melodiefragmenten sowie dem Glissando-Effekt zu Beginn und zum Ende des Werkes veranschaulichte das Ensemble Schirokko meisterhaft das Werden und Vergehen des „Viatores“, also des Wanderers. Dieses Stück hatte Peteris Vasks dem estnischen Komponisten Arv Pärt gewidmet, dem danach der Schluss des Konzertes mit seiner „Berliner Messe“ für vierstimmigen Chor und Streichorchester vorbehalten war.

Nochmals hatten Chor und Solisten Gelegenheit, den Nachmittag zum Strahlen zu bringen. Das vollständige Ordinarium Missae, die im Kirchenjahr unveränderten Teile des Gottesdienstes, hatte Pärt um vier Alleluiaverse und die Pfingstsequenz ergänzt und das Werk für den 90. Deutschen Katholikentag 1990 in Berlin komponiert.

Die hohen Anforderungen an Klangqualität, Homogenität und Intonationssicherheit bewältigten Chor und Solisten mit großartigem Ausdruck, so dass nach dem letzten Ton lange Zeit kein noch so winziges Geräusch zu hören war. Nach diesem unvergesslich kontemplativen Moment brach lang anhaltender Beifall los, der den Musikwochen Weserbergland einen dankbaren Schlusspunkt setzte.

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