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„The Voices of Freedom“ feiern im ausverkauften Theater mit Stargast Patrick Resseng

Gospels lassen den Bühnengraben vergessen

Bisperode/Hameln. Es war eine ganz große Geburtstagsparty: das Theater so gut wie ausverkauft, am Ende waren 100 Musiker auf der Bühne. Und der Bühnengraben war schon nach den ersten Takten ganz vergessen. Am Samstagabend feierte der Gospel-Chor „The Voices of Freedom“ sein 15-jähriges Bestehen in Hameln. 76 Gast-Sänger vom Workshop und dessen Leiter, Patrick Resseng, unterstützten den Hauptchor um Kai Schramm. „Ich wusste, der Abend wird ein Oberburner“, sagte Melanie Spies, die als Fan ohne sonstigen Chor-Bezug extra aus Nordheim angereist war und in der ersten Reihe neben ihrer Freundin mitfeierte. „Aber dass es so toll würde, damit hatte ich nicht gerechnet.“

veröffentlicht am 21.02.2016 um 15:16 Uhr
aktualisiert am 25.10.2016 um 10:26 Uhr

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Autor:

VON CHRISTOPH SCHNURPFEIL
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Das weckte den Wunsch nach mehr. Doch nach dem Konzert drückte Christine Brennecke, Vorsitzende des Chor-Vereins „erschöpft, aber glücklich“ sachte die Bremse: „Auf eine Wiederholung müssen wir ganz doll sparen.“ Umso ehrenvoller, dass der Verein den Erlös des Abends für die Hospizvereine in Holzminden und Hameln spenden will.

Es dauerte keine drei Minuten, da hatte der Chor das Publikum angesteckt: Die Gäste wippten und klatschten schon beim ersten Medley begeistert mit. Sopranistin Jessica Bächler, die sich zur Begrüßung erfrischend locker über den vollen Saal freute, brauchte die Gäste gar nicht aufzufordern: „Scheuen Sie sich nicht, zu schunkeln und zu tanzen.“ Unglaublich, wie die Sänger es fertigbrachten, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen.

Keine harten und drückenden Gospels, kein Klagelied über Elend und Unterjochung in der Sklaverei. Nein, die Gospels waren weich, freudig, befreiend, wie Erika Engelhardt aus Sehnde, die Freundin der Dame aus der ersten Reihe, befand. „Ich bekomme davon sofort eine Gänsehaut.“ Sie lobte die starken Solisten, rieb sich den Arm und drehte sich zu den Gästen hinter sich um: „Und es gibt keine Generation, die das nicht mag.“ Tatsächlich, alle Altersgruppen waren vertreten, außer Säuglinge vielleicht. Entsprechend familiär ging es zu. Ein Geburtstagsständchen für zwei Angehörige von Chormitgliedern zum 75. und 80. erzeugte Heiterkeit, als ein Geehrter sich mit einem Zwischenruf zu Bühne bedankte: „Moni, ich liebe dich.“ Chormitglied Sabine Bächler ließ Revue passieren, was das Ensemble in den letzten 15 Jahren zusammengeschweißt hat.

„Ich kannte Gospel gar nicht“, erklärte Besucherin Marion Hirsch und befand schon in der Pause, „es wäre sehr schade, wenn ich nicht hier gewesen wäre.“ – Ohne zu wissen, dass „The Voices of Freedom“ anschließend noch weitere Register ziehen würden. Mit Stargast Patrick Resseng und den Teilnehmern seines Workshops intensivierte sich nochmals das bis dahin schon sehr beeindru-ckende Klangerlebnis. Der 38-jährige gebürtige Kameruner zeigte eine enorme Bühnenpräsenz. So wie sich Gospels häu-fig steigern, so hatte man das Gefühl, der 1,73 Meter große Künstler wüchse während der Stücke über sich hinaus.

Das übertrug sich auf den großen Chor. „Dabei hatten wir im Workshop gerade einmal neun Stunden Zeit zum Arbeiten“, blickte Schramm nach dem Konzert zurück. Vereinsvorsitzende Brennecke ergänzte: „Das war wirklich ein interkulturelles Projekt.“ So sei sehr ungewöhnlich gewesen, dass Resseng auf Noten komplett verzichtete.

Schramm machte der Band ein Kompliment: „Da zeigte sich, dass sie sehr professionell arbeiten.“

Am Ende freute sich Zuschauer Menne Tammen: „Die Musiker schenkten Zufriedenheit. Ich gehe ausgeglichen nach Hause.“ Merkwürdig: Auch Chormitglied Frederike Masch verwendete unabhängig davon exakt das gleiche Wort: „Ich bin sehr zufrieden.“ Ein Konzert, zwei Perspektiven, dasselbe Fazit. Da scheint der Funke übergesprungen zu sein.



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