weather-image
30°
Der Entertainer mit Band im Theater

Götz Alsmann zwischen Routine und Handküssen

Hameln. Götz Alsmann weiß genau: Für sein Publikum ist er Engel und Teufel zugleich. So ist das „oder“ im Titel seines auslaufenden Bühnenprogramms wohl eher rhetorischer Natur. „Engel oder Teufel?“ Mithilfe seiner drei selbst ernannten Freunde Rhythmus, Text und Melodie versucht der Entertainer mit der 50er-Jahre-Schmalzlocke als Markenzeichen, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Das erwartete Feuerwerk aus seichtem Schlager, exotischem Cha-Cha-Cha und Swing zündet aber verhalten – der Funke springt nur zögerlich über. Nach 200 Auftritten am Ende einer zweijährigen Tournee siegt an manchen Stellen zu sehr die Routine des Meisters über die Spontaneität und überbordende Spielfreude. Für die ist er ja bekannt. Doch an diesem Abend im Theater Hameln bleibt so manches strahlende Lächeln des Münsteraners aus.

veröffentlicht am 25.11.2010 um 15:08 Uhr
aktualisiert am 01.11.2016 um 09:21 Uhr

270_008_4410889_ku103_2611.jpg

Autor:

Andrea Gerstenberger
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Wer den Doktor der Musikwissenschaften zum ersten Mal live erlebt hat, mag begeistert sein. Wer seine Shows häufiger verfolgt hat, weniger. Dennoch: Götz Alsmann glänzt als Entertainer und fabulöser Geschichtenerzähler. Zu Recht hat er für dieses Talent den Münchhausenpreis bekommen. Hinreißend die Anekdote vom kleinen Götz, der frühzeitig von den Vorzügen der Hölle erfährt. Spannend die Story aus der Hölle der Jazzmusiker. Gesanglich sind Jazzschlager sein Metier. Und er singt sie „Für Gertrud und Renate“ statt für Rosi und Jane. Instrumental überzeugt der singende Kapellmeister der Götz-Alsmann-Band sein Publikum am Klavier und Akkordeon.

Unverzichtbar für den unverwechselbaren Götz-Alsmann-Sound ist seit mehr als 20 Jahren Markus Passlick. Die Welt der exotischen Perkussionsinstrumente beherrscht er meisterlich. Seinen großen Auftritt hat der studierte Zoologe allerdings im zweiten Teil als Ornithologe: als Kenner der Ochtruper Nachtigall. Mithilfe dieses Münsterländer Toninstruments demonstriert er westfälische Kommunikation auf höchstem Niveau und wird damit zum Publikumsliebling, bevor Götz Alsmann die Show wieder übernimmt. Der lässt sich am Klavier von „seiner Süßen“ singend feiern. Der Abend klingt nach unzähligen Handküssen und theatralischen Gesten mit einer guten Portion Swing aus, die über einige vermisste Höhepunkte hinwegtröstet und ein wenig von der gewohnten Virtuosität Alsmanns zeigt.

Wo sind die Spontaneität und die überbordende Spielfreude? Ein routiniertes Konzert gibt Götz Alsmann mit seiner Band am Mittwochabend im Theater. Foto: ag

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare