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Einfach lächerlich: „Die lächerliche Finsternis“ aus Wilhelmshaven im Theater

Gerülpster Eintopf

HAMELN. Hörspiel, das es ursprünglich sein sollte – aber dann: dunkle Bühne. Und dunkel auch, wenn es mal hell wird und ein gelernter Pirat aus Mogadischu vor einem Hamburger Gericht steht. Dann geht es unvermittelt auf die Suche nach einem Mörder-Offizier in den Dschungel Afghanistans. Eine irrwitzige Geschichte und vermutlich genau so gewollt: „Die lächerliche Finsternis“ am Mittwochabend im spärlich besuchten Theater Hameln.

veröffentlicht am 26.01.2017 um 16:10 Uhr

„Die lächerliche Finsternis“ von Wolfgang Lotz war ursprünglich als Hörspiel konzipiert. Von links: Caroline Wybranietz, Anna Gesewsky und Jördis Wölk.. Foto: Theater Hameln
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Autor

Richard Peter Reporter
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Zugegeben, wer täglich Zeitung liest, ist mit einem vertraut: dem tagtäglichen Irrsinn. Und genau der gehört auch auf die Bühne – bösartig, wissend, witzig – vor allem: spielerisch. Spiegelbild einer Welt, in der alles anders, verschroben, verdreht aufs Publikum prasselt.

Wolfram Lotz gilt als derzeit spannendster Theaterautor – und kann doch nicht verhindern, dass ich nach einer knappen Viertelstunde – da liegen noch zwei pausenlose vor einem – nur noch eines erhoffe, geradezu ersehne: das Ende.Ende einer theatralischen Tortur, die grenzenlos langweilt.

Weil die Geschichte einfach lächerlich ist. Mehr noch: nervtötend. Bei aller Lust am Spiel, am Spielerischen – und auch das Abstruse kann ja spannend, witzig und unterhaltend sein – und ist hier vor allem eins: Selbstzweck, der routiniert alles durcheinander wirbelt und glaubt, es könnte am Ende vielleicht so etwas wie Kunst – oder zumindest Irritation herauskommen.

2 Bilder
Foto: Theater Hameln

Fast ein bisschen Mitleid mit vier begabten Schauspielerinnen. Wer sich hier dennoch verarscht fühlte, hat recht – und natürlich haben auch die recht, die hinter dem verquasten Nonsens eine Art neuer Philosophie erspüren. Immerhin, vier Schauspielerinnen in vielen Rollen und einige davon abwechselnd von allen Vieren in der Regie von Eva Lange: Mechthild Grabner, Anna Gesewsky, Jordis Wölk und Caroline Wybranietz – mit viel Potenzial und als Karikaturen verheizt.

Wilhelmshavens Landesbühne Nord als vorläufiger Tiefpunkt einer Theatersaison mit diesem „gerülpsten Eintopf“. Kulinarische Alternative: Rindersuppe in der Zuckerkuchen schwimmt, darauf Nudeln mit Tomatensauce, Curry-Reis und Kartoffelplätzchen. Ebenfalls im Topf: ein großer Sauerbraten mit viel Soße, Zucker und Salz, Wiener-, Jäger-, und Zigeunerschnitzel, abgelöscht mit je einer Flasche Riesling und Bordeaux, dazu mit Rum flambiert und als Krönung: Crème Caramel mit Mousse au chocolat. Ein Eintopf für den Misthaufen – wie die „lächerliche Finsternis“, dieses finsterste Sprach-Gerülpse.



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