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Die Regisseurin Julia Roesler bringt in Göttingen ein Flatrate-Bordell auf die Bühne

„Geiz ist geil“ gilt auch bei Prostitution

Göttingen. Die Lebensgeschichten von Prostituierten haben die Göttinger Regisseurin Julia Roesler zu einem Theaterstück inspiriert. „Kaum etwas ist so mit Vorurteilen behaftet wie das älteste Gewerbe der Welt “, sagte Roesler. Mit ihnen will sie aufräumen. Gespräche mit zehn Frauen dienen ihr als Vorlage für das Stück „Rotlicht“, das das freie Theater Werkgruppe 2 am Samstag, 6. April, im Deutschen Theater uraufführt.

veröffentlicht am 26.03.2013 um 17:41 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 22:21 Uhr

Autor:

Charlotte Morgenthal
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Die Regisseurin hat aus den Gesprächen mit den Frauen bis zu 500 Seiten Transkript als Vorlage für das Stück gesammelt. Oft hat sie die Prostituierten an ihrem Arbeitsplatz, im Bordell oder in einem Wohnwagen getroffen. „Besonders die Situation von jungen Migrantinnen in Flatrate-Bordellen, die von Männern pauschal für zwölf Stunden gebucht werden, hat mich schockiert“, sagt Roesler.

In den vergangenen Jahren habe sich das Gewerbe gewandelt. Bis in die 1980er Jahre seien die Prostituierten ausgebildet worden. „Jetzt werden die Frauen oft verheizt und ausgewechselt“, sagte sie mit Blick auf den steigenden Wettbewerb um billige Angebote. Oft gelte der Werbespruch: „Geiz ist geil.“

In Deutschland gehen nach Schätzungen der Bundesregierung rund 400 000 Frauen der Prostitution nach. „Prostitution ist für manche Frauen aber auch ein Befreiungsschlag, um in eine andere Welt zu kommen“, sagt Roesler. Eine Interviewte habe erzählt, dass sie nach einer „spießbürgerlichen Ehe“ mit 50 Jahren den Beruf der Domina ergriffen habe. Anhand der Prostitution lasse sich viel über die Entwicklung der Gesellschaft ablesen. Auf der Bühne spielen sieben Frauen die Geschichten nach: „Eine Herausforderung für die Schauspielerinnen“, sagt die Regisseurin. Sie mussten lernen, betont körperlich zu agieren, ohne zum Sexualobjekt zu werden. Die Zuschauer sollen durch diese Inszenierung zum Nachdenken angeregt werden, hofft Roesler.



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