weather-image
20°

In Uli Edels Biografie-Film „Zeiten ändern Dich“ spielt Rapper Bushido sich selbst

Gefangen in der Figur des bösen Buben

Respekt, Mann, Respekt!“ Das wichtigste Wort im Sprechschatz von Bushido, Deutschlands gefährlichstem Rapper, ist Respekt. Darum wird es in Uli Edels Film vor allem um verwandte Begriffe wie Ehre und Würde gehen, um Selbstbehauptung, um Lebenskampf. Vom Tellerwäscher zum Millionär – solche Geschichten machen sich immer gut. Wer wüsste das nicht besser als Produzent Bernd Eichinger, der eine Schwäche hat für überlebensgroße Filmfiguren, an denen der Selbsthass nagt. Siehe „Der Untergang“ oder „Der Baader-Meinhof-Komplex“. „Bushido“ – das ist japanisch und bedeutet „Der Weg des Kriegers“, und so sieht sich der Mann mit bürgerlichem Namen Anis Mohamed Ferchichi gern: als böser Bube, der sich nichts gefallen lässt und der sich mit allen anlegt. Ein erfolgsträchtig zur Schau getragener Machismo: Schon die Autobiografie ging 2008 weg wie warme Semmeln, 1,5 Millionen Menschen kauften seine CDs, nun ist aus dem Rapper sogar ein Leinwandheld geworden, natürlich jugendfrei, damit möglichst viele Kids ihr Taschengeld an den Kinokassen ausgeben. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

veröffentlicht am 03.02.2010 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 08:41 Uhr

Hände hoch: Jugendfrei und trotzdem cool möchte Rapper Bushido i

Autor:

Michael Ranze
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

Erzählerische Klammer des Films ist eine Konzert-Tournee durch Deutschland. Bushido erhält eine Postkarte von seinem Vater, von dem er sich losgesagt hatte. Die Erinnerungen kommen hoch: wie der Vater die Mutter mit einem Telefon verprügelt, wie er die Schule schmeißt, wie er von seiner Mutter (nun dargestellt von Hannelore Elsner) 450 Mark Starthilfe für seine Drogengeschäfte erhält, wie ihm der Knast droht, wie ihn die Terroranschläge vom 11. September 2001 aufrütteln und er zur Musik findet. Dicke Autos, teure Uhren, willige Mädchen – Regisseur Edel lässt im Folgenden kein Klischee aus. Dazu ein altbackener Off-Kommentar, von Bushido gesprochen, der irgendwie um Verständnis für das Gesehene bittet und doch cool sein will. Am Schluss laufen die Erzählfäden am Brandenburger Tor, diesem symbolträchtigen Ort, zusammen – ein Konzert, bei dem nicht nur die Versöhnung mit dem sterbenden Vater gefeiert, sondern auch eine Brücke zum Schlager gebaut wird: Karel Gott, man glaubt es kaum, singt „Die Biene Maja“ und eine deutsche Version von Alphavilles „Forever Young“, Bushido rappt dazu, und die Leute jubeln. Eigentlich hatte Bushido unter der rauen Schale als sensibler Kerl rüberkommen wollen, dessen Bravo-Starschnitt in jede Kinderstube passt. Herausgekommen ist aber nur eine selbstgefällige Nabelschau.

„Zeiten ändern Dich“ läuft derzeit täglich um 15, 17.30 und 20.30 Uhr, Freitag und Samstag auch um 23 Uhr im Maxx-Kino Hameln.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?