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In Berlin erlebt die oftmals unterschätzte Operette zurzeit eine Renaissance – und in Hameln?

Gar nicht so leicht

Berlin. Am schwersten ist das Leichte – besagt eine alte Bühnenweisheit. Dennoch haben in jüngster Zeit – kurz vor der Sommerpause an den Theatern – zwei Stars der Berliner Kultur-Szene gewagt, Operetten zu inszenieren. Barrie Kosky, Intendant der Komischen Oper, brachte Paul Abrahams „Ball im Savoy“ mit Dagmar Manzel, Katharine Mehrling, Helmut Baumann und großem Ensemble auf die Bühne. Und Herbert Fritsch, den Kritiker für seine Regie-Arbeiten „Die (s)panische Fliege“ und „Murmel Murmel“ euphorisch feierten, veralberte an der Volksbühne das etwas plumpe und schmissige Werk „Frau Luna“ nach einem Libretto von Heinrich Bolten-Baeckers, mit der Musik von Paul Lincke.

veröffentlicht am 19.07.2013 um 14:06 Uhr
aktualisiert am 28.10.2016 um 09:41 Uhr

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Autor:

Gregor Tholl
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„In Berlin ist in der vergangenen Saison ein Zentrum entstanden, das die Öffnung des Musiktheaters für zeitgemäße unterhaltsame Formen mit großer Überzeugungskraft vorantreibt“, sagt Detlef Brandenburg, Chefredakteur des Theatermagazins „Die Deutsche Bühne“. Vor allem die Komische Oper habe sich unter ihrem Chef Kosky den Crossover zwischen „E“ und „U“ auf die Fahnen geschrieben. „Wobei diese Öffnung nicht nur auf die Operette zielt, sondern auch auf neue szenische Lesarten bekannter Repertoire-Stücke. Doch auch anderswo wird die Operette neu entdeckt: am Münchner Gärtnerplatztheater zum Beispiel. Und in Wien hat man sie sowieso nie vergessen.“

Allerdings, betont Brandenburg, werde oft die Tatsache verdrängt, dass an manchen kleineren und mittleren Stadttheatern die Operette (und auch das Musical) einen festen Platz im Spielplan sowie die Gunst des Publikums besitze. „Insofern ist die ‚Wiedergeburt‘ der Operette zum Teil ein Medienphänomen, zum Teil tatsächlich der Innovationskraft von Regisseuren oder Intendanten wie Herbert Fritsch, Barrie Kosky oder Josef E. Köpplinger zu verdanken.“

Apropos Köpplinger: Zu seinem Auftakt brachte der neue Chef vom Staatstheater am Gärtnerplatz die Operette „Im weißen Rössl“ auf die Bühne – mit Maximilian Schell als Kaiser. Der nur anscheinend kitschige „Rössl“-Stoff mit Tourismussatire-Potenzial kommt wieder ins Kino: Die Neuverfilmung von Christian Theede mit Stars wie Diana Amft, Armin Rohde oder Fritz Karl startet im November.

Kosky sagte kürzlich in einem Interview : „Es ist zehnmal schwerer, ‚Frau Luna‘ oder ‚Ball im Savoy‘ auf die Bühne zu bringen, als den ‚Ring der Nibelungen‘“. Warum das? „Diese Form von Timing und blöden Witzen und Leichtigkeit herzustellen, ist einfach nicht ganz leicht.“ Dabei habe die Operette in der Hochkultur früher mehr Respekt genossen. „Im Paris Jacques Offenbachs war sie eine subversive, radikale Kunstform“ – eine Mischung aus Late-Night-Show und politischer Satire, oft mit halbnackten Darstellern.

Doch der Nationalsozialismus hat auch bei den weniger subversiven Wiener, Budapester oder Berliner Operetten eine wichtige Tradition zerstört. Kosky: „Die Nazis haben die Operette arisiert. Sie haben der Operette den Jazz, das Jüdische, das Schwule genommen.“

Viele Musiktheater in Deutschland setzen Operetten fast nur zu Silvester auf den Spielplan – oft Walzerseligkeit mit dem Johann-Strauss-Werk „Die Fledermaus“. In Berlin dreht Kosky bereits nach der Sommerpause richtig auf. Der Australier bietet – nicht zuletzt in Abgrenzung zu den Hauptstadt-Häusern Staatsoper und Deutsche Oper – mehr Operette. Mit Nostalgie habe dieses Revival aber nichts zu tun.



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