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Michael-Peter Schiltsky in der Künstlergruppe „arche“: „Wegbereiter Wegbegleiter“

Ganz persönliche Kunstgeschichte

veröffentlicht am 08.07.2018 um 20:49 Uhr

Im Fokus der Galerie „arche“: Werke von Michael-Peter Schiltsky und befreundeten Künstlern. Foto: DANA
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Richard Peter Reporter
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HAMELN. Längst vergangene Bilder – letztes Jahrtausend, könnte man sagen: Michael-Peter Schiltsky, damals in den 90er-Jahren „arche“-Chef bei einer Vernissage, die er mit einem gewaltigen Gong musikalisch begleitete. Wie er selbstvergessen mit den Fingern übers Metall glitt, kratzte, Klopfgeräusche erzeugte, rhythmisch ausschöpfte, Gongkaskaden trommelte, um ihn dann wieder einfühlsam zu streicheln. Vielfalt der Ausdrucksformen, bedingungsloses sich Einlassen auf eine Formensprache, die Fantasie und spielerische Neugier ideal verband.

Als „arche“-Vorsitzender hat er immer nur andere – nie sich selbst – zu Wort kommen lassen. Und auch jetzt, zum 70. Geburtstag, auch wenn der schon wieder rund zwei Jahre zurückliegt: „Wegbereiter Wegbegleiter“ wie die Ausstellung in der „arche“ heißt, die am Freitagabend eröffnet wurde. Sich selbst wieder einmal hintangestellt – und doch dominant. Auch durch frühe, sehr frühe Werke, wie seine Pappmaschee-Gruppen, Menschen auf der Flucht, dramatische Momentaufnahmen, die ihn tief beschäftigt haben.

Aus der Zeit etwas später, Zeichnungen. Arbeiten von einer Fahrradtour nach Istanbul mit einem „Kopfberg“, einem verwirrenden Liniengespinst – und ganz Gegensatz dazu auf Holzgestellen solitär ausgestellte Stahlarbeiten. Massive und schlicht gestaltete Formen, die durch ihre Einfachheit, auch Eindeutigkeit Gewicht erlangen. Der „Stahlbildhauer“ – und von Linda Treiber, seiner Galeristin als Laudatorin, skizziert: „Schweißen, Flexen, Feuerfunken, Eisenstaub und dieser wunderbare Geruch nach heißem Stahl, dazu Arbeitslärm...“.

Auf ihre erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Konzeption und dem Aufbau der Ausstellung in der „arche“ stoßen an: der Künstler Michael-Peter Schiltsky (v. li.), Helmut Doormann und Wolfgang Raddatz und Galeristin Linda Teiber. Foto: br
  • Auf ihre erfolgreiche Zusammenarbeit bei der Konzeption und dem Aufbau der Ausstellung in der „arche“ stoßen an: der Künstler Michael-Peter Schiltsky (v. li.), Helmut Doormann und Wolfgang Raddatz und Galeristin Linda Teiber. Foto: br

Zeichnungen, die zuletzt als Skizzen so typisch für plastische Arbeiten sind – und im Turmzimmer am Boden ausgelegt: Holzobjekte, „CO2-neutral“, und Grafit-Arbeiten, die federleicht dennoch schwergewichtig wirken. Und so ganz anders, ein frühes Werk von 1968: „Geliebtes Wesen mit Geige im Ohr“ – eine geradezu klassisch geformte, an die Renaissance erinnernde Büste, bildschön und ganz surreal von einem Geigenkorpus durchdrungen.

Wesentlich der Ausstellung und ihrem Titel verbunden: Wegbereiter Wegbegleiter dieser so ganz persönlichen Kunstgeschichte, die immer auch ein Stück Geschichte der Kunst ist. Arbeiten von Lehrern und Professoren an der Akademie, Kollegen – vor allem auch der Familie, die mit einer Reihe unterschiedlichster Werke auf der Galerie der Galerie vertreten ist. Igor Schiltsky mit reizvollen Landschaften und Tamara Schiltsky, aber auch Piet Trantel, dessen Ausstellung „Piet Trantel auf dem Wanderweg E 1 von Hameln bis Freiburg“ von Schiltsky ausgerichtet wurde. Ebenfalls vertreten die befreundeten Kollegen und „arche“-Urgesteine Wolfgang Raddatz und Helmut Dohrmann, die ebenfalls auf der Ottensteiner Hochebene wohnen.

Was Michael-Peter Schiltsky, wie Linda Treiber es formuliert, auszeichnet: „Seine große Sorgfalt, Neugier, Eigenwille, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit genau zu beobachten“, vor allem aber seine Kollegialität und sein Respekt gegenüber den Menschen, aber auch den Materialien gegenüber, mit denen er arbeitet. Eine besondere Ausstellung – und Schiltsky zurückgekehrt in seine „arche“, für die er sich so lange uneigennützig eingesetzt hat.



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