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David Byrne mit außergewöhnlicher Show im Theater am Aegi

Ganz in Weiß und Funk im Blut

Hannover. Als Mitte der 80er Jahre Jonathan Demmes Konzertfilm „Stop Making Sense“ in die Kinos kam, waren die Talking Heads die hipste Band auf dem Planeten und ihr Sänger David Byrne in seinem überdimensionierten Anzug die coolste Bühnensau. Zuvor hatte die Mitwirkung des früheren Roxy-Music-Keyboarders und Ambient-Erfinders Brian Eno bereits drei stilprägende Talking-Heads-Alben hervorgebracht mit dem funkigen „Remain In Light“ als kreativem Höhepunkt. Byrne und Enos gemeinsames Album „My Life In The Bush Of Ghosts“ fügte Afrobeat, Hip-Hop-Sampling, Scratch-Sounds, islamische Gesänge, verfremdete Radiopredigten und Rhythmen zusammen, bevor Weltmusik en vogue war. Anlässlich der Remaster-Ausgabe der CD intensivierten Byrne und Eno ihre Kontakte. Das Ergebnis – „Everything That Happens Will Happen Today“ – lässt aufhorchen, enthält es doch ein erstaunlich eingängiges Repertoire, Experimentelles blitzt seltener auf.

veröffentlicht am 24.03.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 09:21 Uhr

Zwischen Anspruch und Kitsch: David Byrne im Aegi. Foto: jed

Autor:

Martin Jedicke
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Als Zugabe: „Burning down the House“

Eno, dessen Ideen bahnbrechende Alben wie Bowies „Low“ entstehen ließen und der an U2s neuem Werk mitwirkte, wollte nicht mit auf Tour, sondern im Studio weiterbasteln. So verantwortet Byrne das gemeinsame Tun ohne ihn auf der Bühne des Theaters am Aegi. Ganz in weiß gekleidet tummeln sich zehn Musiker, darunter drei Tänzer, um den 57-Jährigen, dessen Haarfarbe inzwischen wunderbar zum Outfit passt. Die Tänzer umspielen, integrieren und überspringen Byrne in einer Show, die trotz aller Perfektion Raum für (scheinbar) Spontanes lässt. Die pulsierenden Funkrhythmen – und dankenswerterweise präsentiert Byrne fünf Songs des Klassikers „Remain In Light“ – reißen die 800 Zuhörer aus ihren Sesseln. Als Zugabe „Burning Down The House“. Dass es dazu nicht kommt, ist fast schlagerhaften Titeln wie dem countryesken „One Fine Day“ oder dem Pathos von „Heaven“ gedankt.

Zwischen Gospeltouch und Soulfeeling, zwischen hysterischem Sprechgesang und chorunterstützten Refrains, Keyboardeffekten und angeschrägten Bridges aus der Gitarre, Bürodrehstuhl-Ballett und Jazzdance, Frackhemd und Tüllröckchen, Ernsthaftigkeit und Selbstironie gelingt Byrne ein kurzweilig-spannender Abend, der als einer der Konzerthöhepunkte des Jahres eingeordnet werden darf.



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