weather-image
21°
25 000 Fans feiern in Hannover

Ganz großes Kino: Iron Maiden

HANNOVER. Für Vorgruppen muss es deprimierend sein, vor Iron Maiden aufzutreten. Denn wo sonst ist der Jubel größer, wenn die Musikkonserve von „Doctor Doctor“ (UFO), die jedes Konzert der britischen Metal-Legende einläutet, erheblich lautstärker bejubelt wird als die Bemühungen der Nachwuchs- und Newcomerbands im Vorprogramm? Am Sonntagabend war es auf der hannoverschen Expo-Plaza wieder so, als Iron Maiden zum großen Show-Kino im fetten Dampframmen-Sound einluden.

veröffentlicht am 11.06.2018 um 12:16 Uhr
aktualisiert am 13.06.2018 um 18:00 Uhr

Showauftakt mit Luftunterstützung. Foto: jed

Autor:

Cord Wilhelm Kiel
Weiterlesen für 20 Cent oder mit Ihrem Digital-Abo
Sie haben bereits ein Digital-Abo der DEWEZET? Dann melden Sie sich hier mit Ihren DEWEZET -Login an und lesen Sie den Text, ohne Ihn bei LaterPay bezahlen zu müssen.

The Raven Age und Killswitch Engage? Wohlwollend begrüßt, aber nicht wirklich das, was die Fans sehen (und hören) wollten.

Als dann die „Eisernen Jungfrauen“ um 20.45 Uhr stilecht mit „Aces High“ – ihrem schnellsten Stück überhaupt, dazu eine Spitfire als Backdrop und Bruce Dickinson in Fliegermaske – loslegen, kennt der Jubel keine Grenzen mehr: Aus 25.000 Kehlen (die Expo-Plaza ist ausverkauft) wird fast jede Zeile dieses Klassikers mitgesungen. Sofern man „Aces High“ überhaupt mitsingen kann, denn der Song ist derart hoch, dass Vokalist Bruce Dickinson ihn auf den Mammut-Touren der Achtziger gern in etwas komfortableren Lagen intoniert hat. Nicht so heute: Dickinson gibt von der ersten Sekunde an alles. Der 59jährige ist klar der Fokus, an dem die Blicke der Zuschauer während der folgenden zwei Stunden kleben. Ist das fair? Immerhin spielt hier eine Legende, die sich auf dieser Tour zu Recht selbst feiert: „Legacy oft the Beast“, also „Erbe des Biests“, wobei damit natürlich „The Number of the Beast“, die wohl die berühmteste Metal-Platte der Achtziger, gemeint ist. Eine Band, die rund 100 Millionen Tonträger verkauft und zahllose Genre-Klassiker aufgenommen hat. Und die mit Bandleader Steve Harris (Bass), Urgestein Dave Murray (Gitarre), Superdrummer Nicko McBrain (Schlagzeug) sowie den weiteren Gitarristen Adrian Smith und Jannick Gers lauter hochgestandene Musiker in ihren Reihen hat. Alle spielen brillant und rennen permanent auf der Bühne herum – aber trotzdem werden sie alle vom kleinen Mann mit der großen Stimme überstrahlt.

Denn Bruce Paul Dickinson ist seit der Veröffentlichung seiner Autobiografie Anfang des Jahres in den Medien omnipräsent. Er ist zwar bekannt geworden als Stimme von Iron Maiden, aber noch viel mehr: Studierter Historiker, Reserveoffizier der „Territorial Army“, Pilot (und zwar nicht nur von Kleinflugzeugen, sondern Kapitän einer Boeing 747!), Bierbrauer, Musiker, Autor, Schauspieler, Regisseur und Produzent, Radio- und Fernsehmoderator und noch so manches mehr. Außerdem war er Spitzensportler, vertrat Großbritannien bei Fechtwettkämpfen und stand kurz vor der Olympia-Teilnahme. Während einer Tournee seiner Band schrieb er nebenbei zwei Romane, die zu Bestsellern wurden. Außerdem ist der 59jährige auch noch ein begehrter Keynote-Speaker und Motivationstrainer. Dabei ist es sicherlich hilfreich, dass Dickinson auch noch erfolgreicher Unternehmer und Inhaber verschiedener Firmen ist, sogar mehrere Fluglinien betreibt.

Bandleader Bruce Paul Dickinson. Foto: jed
  • Bandleader Bruce Paul Dickinson. Foto: jed

Dass er aber vor allem eins ist – einer der besten Sänger der Rockgeschichte, dessen Stimme im „Alter“ sogar besser klingt als früher – bewies Dickinson in Hannover. Und dass er seine Show weiter verbessert, inzwischen eine Vielzahl von Masken trägt (z.B. Nachtwächter, Mönchskutte, Pestmaske) und Gadgets verwendet (Flammenwerfer, Schwert) sowie zunehmend schauspielerische und sogar tänzerische (!) Elemente in die Show aufnimmt, muss die Ursache darin haben, dass irgendwo im Hause Iron Maiden ein Jungbrunnen steht. Denn auch der inzwischen 66jährige Nicko McBrain und der Rest der Gruppe spielen auf, als sei ein Alter von 60 und mehr gar nichts. McBrain prügelt und groovt die Band unaufhörlich nach vorn, die Saitenfront mit drei Gitarren und dem Flitzfinger Harris schaffen einen glasklaren, aber dennoch unglaublich druckvollen Sound. Gespielt wird eine geniale Setlist, die das Beste aus über vierzig Jahren Bandgeschichte aufbietet, ohne auf Nummer sicher zu gehen. Denn neben Live-Konstanten wie „Fear Of The Dark“ oder „The Trooper“ gibt es auch Titel, die schon lange nicht mehr gespielt wurden: „Flight of Icarus“ (zum ersten Mal seit 1986 im Programm!), „Where Eagles Dare“ oder „The Wicker Man“ werden begeistert aufgenommen. Erstaunlicherweise sind es zwei Songs aus der eher erfolglosen Ära des zwischenzeitlichen Frontmans Blaze Bayley, die besonders abgefeiert werden: „The Clansman“ (Dickinson: „Ein Song über die Freiheit“) und das düster-epische „Sign Of The Cross“, das über zehn Minuten lang mit Feuerfontänen, Kronleuchtern und Mönchschören zelebriert wird. Im Zeichen des Kreuzes trägt Dickinson ein riesiges Kruzifix umher, das auch bei den folgenden Songs Teil der Bühnendeko bleibt.

Ein grandioses Konzert, eine Art Heavy-Metal-Open-Air-Oper – und die gesamte EXPO-Plaza außer Rand und Band. Bitte, liebe Eisernen Jungfrauen – kommt bald wieder! Der Jungbrunnen muss noch weiter sprudeln.

1
270_0008_8149380_.jpg
1
270_0008_8149383_.jpg
1
270_0008_8149381_.jpg
1
270_0008_8149382_.jpg
1
270_0008_8149384_.jpg
1
270_0008_8149385_.jpg
1
270_0008_8149386_.jpg
1
270_0008_8149387_.jpg
1
270_0008_8149388_.jpg
1
270_0008_8149389_.jpg
1
270_0008_8149390_.jpg
1
270_0008_8149392_.jpg
1
270_0008_8149393_.jpg
1
270_0008_8149394_.jpg
1
270_0008_8149395_.jpg
1
270_0008_8149396_.jpg
1
270_0008_8149397_.jpg
1
270_0008_8149398_.jpg
1
270_0008_8149399_.jpg
1
270_0008_8149400_.jpg
1
270_0008_8149401_.jpg
1
270_0008_8149402_.jpg
1
270_0008_8149403_.jpg
1
270_0008_8149404_.jpg
1
270_0008_8149405_.jpg
1
270_0008_8149406_.jpg
1
270_0008_8149407_.jpg
1
270_0008_8149408_.jpg
1
270_0008_8149409_.jpg
1
270_0008_8149410_.jpg
1
270_0008_8149411_.jpg
1
270_0008_8149412_.jpg
1
270_0008_8149413_.jpg
1
270_0008_8149414_.jpg
1
270_0008_8149415_.jpg
1
270_0008_8149416_.jpg
1
270_0008_8149417_.jpg
1
270_0008_8149418_.jpg
1
270_0008_8149419_.jpg
1
270_0008_8149420_.jpg
1
270_0008_8149421_.jpg
270_0008_8149380_.jpg
270_0008_8149383_.jpg
270_0008_8149381_.jpg
270_0008_8149382_.jpg
270_0008_8149384_.jpg
270_0008_8149385_.jpg
270_0008_8149386_.jpg
270_0008_8149387_.jpg
270_0008_8149388_.jpg
270_0008_8149389_.jpg
270_0008_8149390_.jpg
270_0008_8149392_.jpg
270_0008_8149393_.jpg
270_0008_8149394_.jpg
270_0008_8149395_.jpg
270_0008_8149396_.jpg
270_0008_8149397_.jpg
270_0008_8149398_.jpg
270_0008_8149399_.jpg
270_0008_8149400_.jpg
270_0008_8149401_.jpg
270_0008_8149402_.jpg
270_0008_8149403_.jpg
270_0008_8149404_.jpg
270_0008_8149405_.jpg
270_0008_8149406_.jpg
270_0008_8149407_.jpg
270_0008_8149408_.jpg
270_0008_8149409_.jpg
270_0008_8149410_.jpg
270_0008_8149411_.jpg
270_0008_8149412_.jpg
270_0008_8149413_.jpg
270_0008_8149414_.jpg
270_0008_8149415_.jpg
270_0008_8149416_.jpg
270_0008_8149417_.jpg
270_0008_8149418_.jpg
270_0008_8149419_.jpg
270_0008_8149420_.jpg
270_0008_8149421_.jpg
Iron Maiden in Hannover
Quelle: jed

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare