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Schaurig: Poes Geschichte vom „Untergang des Hauses Usher“ als Hörspielkonzert

Galaktische Düsternis

HAMELN. Wie so oft bei Edgar Allan Poe – es beginnt romantisch verbrämt, atmosphärisch düster und steigert sich dann ins Grusel-Fortissimo, in dem es, mehr oder weniger, hängen bleibt. Eher mehr. Dennoch eine genial komponierte Schauergeschichte, dieser dramatische „Untergang des Hauses Usher“, der am Freitagabend im Theater Hameln als Hörspielkonzert mit dem „Midnight Story Orchestra“ für Schauerromantik sorgte.

veröffentlicht am 24.02.2019 um 21:35 Uhr

Düstere Atmosphäre: Das „Midnight Story Orchestra“ entführte die Theater-Besucher in die makabre Welt des amerikanischen Dichters Edgar Allan Poe. Foto: Udo Reinhardt
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Autor

Richard Peter Reporter
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Eher sorgen wollte – auch sollte. So sehr die Band ihre Wurzeln im Gothic Jazz nicht verleugnen kann – es ist vorzugsweise Rockjazz, der auf jedem Festival oder anderen Events für Furore sorgen könnte – hier aber eher ein solistisches Eigenleben führt, das von der Geschichte eher ablenkt als sie zu unterstützen.

Nur selten passiert es, dass die reinen Konzertpassagen die dramatische Melancholie des Geschehens unterstreichen. Die Musik gewinnt, bis auf ein positives Beispiel, das als orchestraler Klangrausch Stimmungen aufnimmt, und in den eher minimalistisch akzentuierten Geräuschen und Klangzutaten, keinen wirklichen Bezug zum Thema. Ein bisschen seltsam auch, dass ausgerechnet hier, mit einem Protagonisten, dessen krankhafte Verschärfung seiner Sinne, dazu führt, dass es heißt: „Nur die Töne von Saiteninstrumenten vermochte er ohne Schmerz anzuhören.“ Nicht auszudenken, wie sehr Roderick Usher hier gelitten hätte.

Ganz anders und eine blendende Idee dazu, Poes als Gothic Tale bezeichnete Geschichte von 1839 mit der Science Fiction-Adaption „Usher 2036“ von Ray Bradbury zu kombinieren. Bradbury, berühmt geworden durch „Fahrenheit 451“, vor allem auch durch die Verfilmung mit Oskar Werner und Julie Christie, greift hier die Vernichtung von Büchern auf. Während ein totalitäres Amerika mit einer gleichgültigen Massengesellschaft jegliche Fantasie verbannt hat – und damit auch die Werke Poes, wie so viele andere Bücher längst in Flammen aufgegangen – ist das „Haus Usher“ auf dem Mars neu entstanden und soll nun mit einem skurrilen Fest eröffnet werden, zu dem auch ein ranghoher Beamter geladen ist, der einst, ohne sie zu kennen, die Poe-Werke verbrennen ließ. Und dafür jetzt nach der Dramaturgie aus dessen „Wassergrube und Pendel“ einen grausamen Tod erleiden soll – wie so viele Gäste des Abends, die den Mars mit Raketen erreicht hatten. Hier trafen die Konzertpassagen die Charaktere und Stimmungen mit futuristischen Klängen und Spezialeffekten, die sich zu einem furiosen Finale sozusagen ins Galaktische steigerten.

Auch Frank Strobelt als Sprecher, kurzfristig eingesprungen, wie es hieß, ging bis an die Grenzen sprechtechnischer Möglichkeiten seiner so modulationsfähigen Stimme, die vor allem aber in den eher leisen, fast beschwörenden Passagen den Grundton traf, der dann immer wieder für Gänsehaut sorgte. Eine beeindruckende Leistung – und auch die vom Midnight Story Orchestra mit ihrem Gründer Andreas Wiersich (Gitarre), Florian Bührich mit vielen kleinen Soli an Marimbaphon und Vibraphon, dann Alex Bayer (Kontrabass und E-Bass), Stepan Ebn am Schlagzeug und Toni Hinterholzinger am Keyboard mit vielen Spezialeffekten. Bewundernswert als Band – auch wenn die den dramatischen Fluss, der die Geschichte vom „Untergang des Hauses Usher“ so unvergleichlich macht, immer wieder unterbricht, ohne sie zu ergänzen oder zusätzlich zu unterstützen.



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