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„Footloose“ begeistert Hamelner

Furioses Tanzspektakel in Perfektion

HAMELN. Eigentlich herrscht tote Hose in der Kleinstadt Bomont, einer Amish-Gemeinde im tiefsten Dornröschenschlaf, in der Bischof Moore ein strenges Regime führt. Seit fünf Jahren gilt ein striktes Tanzverbot. Und alle kuschen. Die Story „Footloose“ war jetzt als furioses Tanzspektakel auf Hamelns Bühne zu erleben.

veröffentlicht am 16.04.2018 um 17:52 Uhr

Toll gesungen, klasse getanzt: „Footloose“ der London West End Musical Company auf der Hamelner Theaterbühne. Foto: pr/Seberg Showproduction
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Autor

Richard Peter Reporter
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Es könnte also ruhig, gottesfürchtig und verschlafen beginnen – und beginnt furios mit einer Art Hexensabbat, lautstark, schrill und mit atemberaubenden Tempo. Die meisten Mädchen so gar nicht bigott in Hot-Pants und weit entfernt von „Footloose“ – und doch auch ganz nah dran, wenn das Musical gemeint ist mit dieser überschäumenden Lebenslust, mit der sie ihr Publikum überraschen und begeistern. Die Truppe – Tänzerinnen und Tänzer der London West End Musical Company – haben bereits gewonnen, bevor es richtig losgeht.

Die Story – auch wenn es mit einer kleinen Stadt in Oklahoma ein reales Vorbild gibt und dort erst nach 120 Jahren erstmals wieder getanzt werden durfte – ist eigentlich Nebensache. Ren landet mit seiner Mutter – Papa hat sich schlicht vom Acker gemacht – wieder im alten Zuhause. Ren ist todunglücklich und trauert seiner Zeit in Chicago nach. Aber da ist des Bischofs Töchterchen – auch wenn der seit dem Unfalltod seines Sohnes auf alles verzichtet, was Spaß machen könnte. Und alle zwingt, mit ihm zu trauern und zu leiden. Natürlich werden Ren und Ariel – die nicht umsonst den Namen von Shakespeares Luftgeist trägt – ein Paar. Und wie in der alten Operette findet noch ein zweites zusammen, der schüchterne Willard und Ulknudel Rusty – das gute alte Buffo-Duo.

Wie gesagt, die Geschichte ist schlicht Transportmittel für Tanz, Tanz und nochmals Tanz und hinreißende Songs. Nicht nur der Titelsong „Footloose“, der damals die Charts eroberte. Wochenlang. Unvergessen auch Bonnie Tylers „Holding out for a Hero“. Und das ist das Erfolgsgeheimnis des Ensembles, das am Samstagabend im ausverkauften Hamelner Theater für Furore und Beifall im Stehen sorgte – und den einsamen Buh-Rufer verstummen ließ: das sind perfekt tanzende und singende Profis, wie man sie sonst nur am Broadway, aus London, Wien oder Hamburg kennt. Tanz-Artisten und Stimmen, wie sie sonst nur selten über diese Rampe strömen – und das gilt für alle. Vor allem aber für Ren, der in Alexander Wilbert eine Idealbesetzung ist. Ein ebenso sanfter wie sturer Rebell, der sich schließlich gegen den anderen, christlichen Sturkopf, durchsetzt.

Musical-Stimmen vom Besten und als eigenes Genre – Lisa Aberer als Ariel. Da verbindet sich Rock-Röhre mit viel Gefühl, das anrührt. Mama, die ebenfalls Ariel heißt und als Birgit Widmann eine wunderbar sonore und ebenso klare Stimme besitzt – eine Stimme, von der man annimmt, dass Engel so singen können. Perfekt auch Max Menendez Väzquez als Willard, der sich stakelig über die Bretter bewegt, bis er sich vom hässlichen Entlein zum Schwan mausert – hinreißend tanzt und gesanglich ein paar Soli der Extraklasse hinlegt und in Lydia Gritz als Rusty eine liebenswert-komödiantische Partnerin findet. Und einfach toll die Metamorphose von Ralf Bettinger als Bischof, der plötzlich locker und urkomisch über die Bretter fegt.

Begeisternd, dass die Band nicht starr irgendwo auf der Bühne installiert ist – dass Luca Dechert mit seinem Saxofon und ein paar tollen Soli genauso wie sein Kollege Emanuel Abanto mit Gitarre und auch Florian Toma (Bass) sich auf der Bühne bewegen, unter die Tänzer mischen. Nur Sebastian Horn kann Klavier und Keyboard nicht herumschleppen. Die gekonnte Choreografie teilen sich Lorant Koncz und Csaba Horvath.

Ein wunderschöner Abend für alle „Footloose“-Fans und ein paar Neue, die sich von diesem Ensemble haben begeistern lassen.



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