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Noé Inui und das Staatsorchester Braunschweig mit Urs-Michael Theus im „Dewezet-Classics“-Konzert

Furios und hochkonzentriert gespielt

Hameln. Gute Musiker fallen nicht vom Himmel, sie können aber ihre Hörer in himmlische Sphären führen. Seltene Momente, die sich manches Mal auch an solchen Orten ereignen, wo man sie kaum erwarten darf. Dank der Auswahl von Orchestern, Solisten, Dirigenten und Programmen stieg das Niveau der Hamelner Konzerte in den vergangenen Jahren kontinuierlich und ist mittlerweile für manch positive Überraschung gut. So auch am Dienstag, als das Staatsorchester Braunschweig unter der Leitung von Urs-Michael Theus und Noé Inui miteinander musizierten.

veröffentlicht am 18.01.2012 um 16:23 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 19:41 Uhr

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Autor:

Karla Langehein
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Schon in den ersten Takten von Beethovens Violinkonzert, bei diesem in vielerlei Hinsicht heiklen Bläsereinsatz und schließlich in der gesamten orchestralen Ouvertüre herrschten Sorgfalt und innere Spannung. Da bereits war gegenwärtig, was Menuhin meinte, als er in seinen Lebenserinnerungen Beethovens Konzert als ein „Stück von vollendeter Schönheit“ beschreibt, „das man nur mit größten Skrupeln aufführen kann“. Der Stil, mit dem Urs-Michael Theus das Orchester führt, ist von kompromissloser Exaktheit geprägt, die er mit meist knapper, gut lesbarer Gestik erreicht. In Verbindung mit einer sich selbst zurücknehmenden und ganz hinter das Werk stellenden Sensibilität für minimale innere Abläufe gelingt ihm eine orchestrale Partnerschaft mit der Solopartie, wie sie besser nicht vorstellbar ist. Dazu war sicher auch die wohl natürlich angelegte Übereinstimmung zwischen Urs-Michael Theus und dem Solisten hilfreich.

Noé Inui ist hier kein Unbekannter. Seine blendende Spieltechnik lernte das Publikum vor zwei Jahren kennen, als er Paganinis Violinkonzert spielte. Schon da waren hinter dem Virtuosen die Umrisse des Interpreten erkennbar. Nun rückte die perfekte Virtuosität (fast) in den Hintergrund, war nur noch Basis für eine Gestaltung, die vollkommen überzeugte und anrührte. Ruhige Tempi sind schön – wenn man sie ausfüllen kann. Noé Inui kann es. Die Zartheit, mit der er in der Mitte des Kopfsatzes in hoher Lage die Mollvariante anstimmte oder sich nach der Kadenz ins Thema einfädelte, war bemerkenswert. Und überragend dann die gelassene Ruhe, mit der er die längeren Melodiepassagen des Larghettos nahezu ohne abzusetzen fortspann wie einen goldenen Faden. Losgelassen fröhlich das Rondo und als Zugabe, furios gespielt, die Caprice Nr. 1 E-Dur von Niccolo Paganini.

Nach der Pause folgte auf klassische Tongebung die vor Lautstärken nicht zurückschreckende Orgelsinfonie von Camille Saint-Saëns. Hochromantisch, mit allen in dieser Zeit in Frankreich üblichen Orchesterfarben bestückt, ist sie fulminant besetzt und eine besondere Herausforderung in erster Linie für alle Bläser, auch für die Streicher. Natürlich klingt das Werk anders – vor allem weicher, wenn als Soloinstrument anstelle der elektrischen Orgel eine Kirchenorgel im Spiel ist. Wenn aber die Wahl besteht, diesen Markstein französischer Sinfonik gar nicht oder mit dieser Einschränkung zu hören, dürfte die Antwort klar sein. Urs-Michael Theus steuerte den gewaltigen Klangkörper sicher durch alle Emotionen und Fährnisse der Partitur, das Staatsorchester glänzte in hochkonzentriertem Spiel – Begeisterung allenthalben.

Gastierte bereits vor zwei Jahren im Theater Hameln: Noé Inui. Foto: geb



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