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Das Ballet Biarritz kombiniert klassische Formen mit modernen

Fulminanter Start für die ersten Hamelner Tanztheatertage

Von Richard Peter

veröffentlicht am 28.04.2010 um 17:21 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 01:21 Uhr

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Hameln. In China fällt, sprichwörtlich zumindest, ein Sack Reis um, während ganz realiter in Island ein Vulkan explodiert und die ersten Hamelner Tanztheatertage mit einer Nullnummer starten lässt. Die Folge: der zweite Abend nun am Dienstag als erster – und der erste am Freitag, 30. April, als dritter. Global Players einmal mehr in der Bredouille und flügellahm ohne Flugzeuge auf die platte Erde gebannt. So kann’s gehen – und wenn auch etwas durcheinander: Der Auftakt war dennoch hinreißend. Nicht umsonst besitzt das Malandain Ballet Biarritz Weltruf. Und dann: Gleich drei Ikonen des klassischen Balletts, Tschaikowskis „Dornröschen“, „Schwanensee“ und „Nussknacker“ als Collage. Dazu gehört Selbstbewusstsein, fast schon Chuzpe, und eine Compagnie wie die Biarritzer, die scheinbar mühelos so gut wie alles beherrscht. Die klassischen, aus der Arabesque entwickelten Formen, mit denen das Ballett-Urgestein Marius Petipa und Lew Iwanow gearbeitet haben – erweitert um das moderne Ballett, das Körper offener einsetzt, neue Ausdrucksmittel kennt und ausprobiert.

„Magifique“ – eine Koppelung aus „magique“ und „magnifique“, also magisch und großartig, und Tschaikowskis Orchestersuiten als Basis für einen Besuch in längst vergangenen Märchenwelten.

Der ironische Blick Malandains auf Tschaikowski: eine einzige Liebeserklärung. Und vielleicht gerade deshalb im Probensaal mit den Stangen angesiedelt, die Malandain so variantenreich einsetzt. So gegen den Strich getanzt, ohne eigentliche Handlung, wirkt die Komposition nur noch stärker. Indem es sich den gewohnten Bildern entzieht, wie im „Rosenadagio“ von Dornröschen, aber auch in den drei „Schwanensee“-Variationen – hört man die Musik gewissermaßen neu, nimmt sie nicht nur als rhythmische Begleitung wahr. Sie gewinnt Eigenleben. Auch auf halber Spitze. Und einfach bezaubernd, wenn Odette immer wieder mit dem Pürzel wackelt.

Und schlicht meisterlich – nach der Pause: „L’Amour Sorcier“ zur Musik von Manuel de Falla. Und die: emotional, hocherotisch mit ihren Steigerungen und peitschenden Rhythmen, die wie Wellen auslaufen. Eine Geschichte aus der Welt der andalusischen Zigeuner. Eine aufregend gefährliche zwischen Aberglaube und Zauberei – und mittendrin: das Paar. Grandios, was Malandain an Verschlingungen erfindet, Körpersprache ausschöpft.

Was das Ensemble auszeichnet: die Individualität, die dem Drill des absoluten Gleichklangs abschwört. Das bringt zwar Unruhe ins Bild, zwingt einen aber, neu hinzuschauen, sich gefangen nehmen zu lassen von Individualisten und ihrer Persönlichkeit. Ein fulminanter Start – und wie Hamelns Theaterchefin Dorothee Starke, der das Festival sozusagen Herzensangelegenheit ist, versprach: „Ein kleines Feuerwerk des Tanztheaters.“ Es war mehr: ein großes.

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